| 21:17 Uhr

So groß, so klein, so schnell, so weit . . .

London/Champaign. Wie schnell fliegt das Raumschiff der Romulaner? Und wo ist Mr. Data? Wenn die Crew vom "Raumschiff Enterprise" derlei wissen will, konsultiert sie den Bordcomputer. Doch dass eine Maschine dem Menschen wie in der TV-Serie "Star Trek" mit sanfter Stimme Antworten gibt, ist bislang nur ein Traum der IT-Industrie Von Sebastian Wieschowski (SZ) und Christof Kerkmann (dpa)

London/Champaign. Wie schnell fliegt das Raumschiff der Romulaner? Und wo ist Mr. Data? Wenn die Crew vom "Raumschiff Enterprise" derlei wissen will, konsultiert sie den Bordcomputer. Doch dass eine Maschine dem Menschen wie in der TV-Serie "Star Trek" mit sanfter Stimme Antworten gibt, ist bislang nur ein Traum der IT-Industrie. Ein Forscher will ihn nun in Form einer Internet-Suchmaschine Wirklichkeit werden lassen. Seit Freitag ist seine "Antwortmaschine Wolfram Alpha" online, zumindest in der englischen Version.


Bisher gingen Analysten davon aus, dass 80 Prozent aller Suchanfragen über Google abgewickelt werden. Jetzt versucht "Wolfram Alpha", Google von seinem hohen Thron zu stoßen - und der Neuling weiß, sich und sein Projekt zu inszenieren: "Ein neues Paradigma für den Gebrauch von Computern und den des Web" nennt Stephen Wolfram (Foto: dpa) seine Suchmaschine. Dass Wolfram das Zeug zum Google-Besieger hätte, zeigt ein Blick in seine Vita: Ausbildung an den Elite-Unis in Eton und Oxford, Physik-Doktor mit 20, Erfinder der Wissenschaftssoftware "Mathematica", die sich auf heutzutage jedem Mathematiker-PC findet.

Die Idee des Physikers ist schnell erklärt: "Wolfram Alpha" soll keine Suchmaschine sein, sondern eine Antwortenmaschine. "Vor 50 Jahren, in der Frühzeit der Computer, hat man erwartet, dass man dem Computer nur eine Sachfrage stellen müsste, und ihn die Antwort ausrechnen lässt. Aber dazu kam es nicht", schreibt Wolfram in seinem Blog. "Wolfram Alpha" soll nicht Listen von möglichen Orten erstellen, an denen man die Antwort finden könnte, sondern die Antwort sofort zeigen.

Ermöglichen soll dies eine gigantische Datenbank, eine Sammlung von Algorithmen und ein Übersetzungsprogramm, das die Fragen in Rechenaufgaben umwandelt.

Allerdings plagt sich die "berechnende Wissensmaschine" noch mit einigen Kinderkrankheiten herum - denn nicht immer führt die vermeintlich geniale Suche ans Ziel: "Isn't sure what to do with your input" ("Nicht sicher, was Sie mit Ihrer Eingabe meinten") grummelt der Such-Algorothmus beispielsweise, wenn nach dem Ergebnis der vergangenen US-Wahl gefragt wird. Und manchmal lässt die Plausibilität des Suchergebnisses Zweifel zu: Neben Deutsch seien Bayerisch, Polnisch und Kölsch bedeutende Minderheitensprachen, lässt "Wolfram Alpha" etwa seine Nutzer wissen.



Überzeugen kann die Antwortmaschine dagegen bei vergleichenden Fragen. Hierfür wurde eigens eine Ergebnisseite generiert, auf der beispielsweise die Rahmendaten verschiedener Staaten gegenüber gestellt werden. Auch bei technischen und naturwissenschaftlichen Fragen glänzt "Wolfram Alpha" in der Regel durch umfangreiche aufbereitete Antworten. Die Suche nach der "ISS" fördert den aktuellen Standort der Weltraum-Forschungsstation zutage. Handelt es sich bei dem Suchbegriff um einen Firmennamen, verweist "Wolfram Alpha" nicht einfach wie Google auf die Unternehmenswebsite oder Zeitungsartikel, sondern erstellt ein Diagramm mit der Entwicklung der Aktienkurse und einen Überblick über Finanzdaten.

Dennoch ist die Revolution ausgeblieben. Viel zu oft versteht "Wolfram Alpha" die Frage einfach nicht oder wirft merkwürdige Suchergebnisse aus. Für ein Portal, das vor allem mit seiner intelligenten Technik punkten will, ist das nicht ausreichend. Stephen Wolfram aber hat angekündigt, dass viele der Kinderkrankheiten seiner Seite bald behoben sein sollen.