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Sind die Deutschen ein Volk von Egoisten?

Gütersloh. Ist der Deutsche mehr Egoist oder will er die Gesellschaft zusammenhalten? Eine internationale Studie bescheinigt den Bundesbürgern hierbei nur Mittelmaß. Der Caritasverband warnt. Von dpa-MitarbeiterCarsten Linnhof

Mitte Juni hing über der Autobahn bei Magdeburg ein großes Bettlaken. Darauf stand der Dank nach der Hochwasserkatastrophe an die Helfer. Die Politik griff das Thema auch auf. "Wir sind kein Volk von Individualisten. Wir stehen in der Not zusammen", sagte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) im Düsseldorfer Landtag über die Hochwasserhilfe.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung nährt Zweifel, ob das wirklich auf alle Deutschen zutrifft. In einem internationalen Vergleich unter 34 Nationen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Bevölkerung liegt Deutschland auf Platz 14. Das bedeutet Mittelmaß. Zwar ist der Trend seit 2008 leicht positiv. Für einen Platz in der Spitzengruppe aber reicht es noch längst nicht.

Als einen Grund dafür sehen die Forscher einen Mangel an Akzeptanz von Vielfalt in der Gesellschaft. Gemeint sind der Einfluss anderer Kulturen oder die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Auch die größere Distanz zur eigenen Nation war nicht förderlich für eine bessere Platzierung. Bürger anderer Staaten identifizieren sich deutlich mehr mit ihrem Land.

Besser sieht es laut Studie mit dem Gerechtigkeitsempfinden aus. Nach Ansicht der Wissenschaftler liegt das daran, dass sich Deutschland in der Finanzkrise besser schlägt als andere Staaten.

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, warnt vor einer einseitigen Sichtweise. "Das gestiegene Gerechtigkeitsempfinden ist für mich ein Hinweis, dass die Menschen sensibel sind für die Nöte der anderen. Deswegen würde ich vor einem zu kritischen Blick - 'nur Mittelmaß' - warnen", sagte Neher. Gesellschaftlicher Zusammenhalt könne dann entstehen, wenn die Menschen die Sicherheit haben können, dass ihnen im Notfall geholfen wird. "Hier scheint mir das Vertrauen in Institutionen ein gutes Zeichen zu sein."

Dänemark führt den Index an. Auch weitere skandinavische Länder sind ganz oben mit dabei, wie die Bertelsmann-Stiftung gestern mitteilte. Als gute Rahmenbedingungen für einen starken Zusammenhalt nannten die Forscher höheren Wohlstand, größere Einkommensgleichheit und die Entwicklung zur Wissensgesellschaft. Zuwanderung und Globalisierung seien dabei keine Hindernisse, hieß es in der Studie, deren Schlusslicht Rumänien ist.

"Die Frage ist, wie sichert man den Zusammenhalt in der Gesellschaft?", sagt Katrin Späte von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. "Der Begriff hat sich bisher über die nationalen Gesellschaften und nationale Identitäten definiert. In Zeiten von EU und Wandlungsphasen durch Zuzüge in den Gesellschaften ist das aber so nicht mehr möglich. Dazu ist eine andere demokratische Haltung nötig", sagt Späte.

Wenn eine Wandlung in der Gesellschaft zu schnell gehe, hätten Menschen ein starkes Bedürfnis nach Halt, und das führe dann manchmal zu Rückbesinnungen auf alte Zeiten, die eher problematisch seien, so die Soziologin. "Solche Studien sind wichtig, um öffentliche Debatten über das Selbstverständnis der Bundesrepublik lebendig zu halten, jenseits von Skandalbüchern", fügt Späte hinzu und spielt damit auf das umstrittene Buch von Thilo Sarrazin ("Deutschland schafft sich ab") an.