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Rechter, jünger und ostdeutscher

Jeder siebte Bürger ohne Job neigt den Rechtspopulisten zu. Foto: dpa
Jeder siebte Bürger ohne Job neigt den Rechtspopulisten zu. Foto: dpa FOTO: dpa
Die programmatische Wandlung der AfD von der Euro-kritischen zur zuwanderungsfeindlichen Partei findet wachsenden Zuspruch im rechten politischen Spektrum sowie bei Nichtwählern. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die gestern in Berlin veröffentlicht wurde. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse und Hintergründe im Überblick: Stefan Vetter

Wie groß ist die AfD-Anhängerschaft?



Die DIW-Daten zeigen, dass die AfD ihre Anhängerschaft seit 2014 deutlich erweitern konnte. Damals gaben nur zwei Prozent der Bundesbürger mit einer Parteibindung an, der AfD längerfristig zuzuneigen. Im laufenden Jahr liegt dieser Anteil schon bei vier bis fünf Prozent. Das mag immer noch gering erscheinen. Nach aller Erfahrung entsteht eine Stammwählerschaft aber nur langsam. Vor diesem Hintergrund ist die erst drei Jahre alte AfD ein Novum, denn der Anteil ihrer Sympathisanten, die ihnen sozusagen unbeirrt zuneigen, ist schon jetzt höher, als er jemals für die Republikaner, die DVU und die NPD zusammen gemessen wurde. Laut DIW bewegt sich das AfD-Niveau hier ungefähr im langjährigen Mittel der FDP . Dass die jüngsten Landtagswahlergebnisse für die AfD durchweg im zweistelligen Prozentbereich ausfielen, deutet darauf hin, dass sich auch ein großer Kreis vormaliger Nichtwähler mit der Partei identifiziert.

Wer sind die AfD-Anhänger?

Die Anhängerschaft hat sich seit der programmatischen Neuausrichtung der AfD vor etwa einem Jahr ebenfalls deutlich gewandelt. Unter den Arbeitern mit einer Parteibindung können sich inzwischen elf Prozent für die AfD begeistern. 2015 waren es nur fünf Prozent. Noch deutlicher ist der Sympathiegewinn der AfD bei den Arbeitslosen. Er stieg laut DIW seit dem vergangenen Jahr von vier auf 15 Prozent. Das heißt, etwa jeder siebte Bürger ohne Job neigt den Rechtspopulisten zu. Parallel dazu hat sich die Anhängerschaft insgesamt verjüngt. Mittlerweile haben sich zehn Prozent der unter 30-Jähigen mit einer Parteibindung auf die AfD festgelegt. 2014 waren es nur zwei Prozent. "Aktuell gewinnt die Partei Anhänger vor allem unter Männern, Bürgern in den neuen Bundesländern, Personen mit geringer und mittlerer Bildung, Arbeitern und Arbeitslosen sowie jungen Personen", fasste DIW-Experte Martin Kroh das Ergebnis zusammen.

Was treibt AfD-Anhänger besonders um?



Anders als landläufig angenommen, rangiert hier nicht die Zuwanderung an vorderster Stelle, sondern die Unzufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland. Immerhin 26 Prozent der Bürger mit Parteibindung fühlen sich deshalb der AfD verbunden, aber nur zehn Prozent wegen großer Sorgen über die Flüchtlingssituation. Unklar bleibt, was AfD-Anhänger konkret an der demokratischen Praxis im Land abstößt. Dies wurde vom DIW nicht untersucht.

Welche Parteien müssen die AfD fürchten?

In erster Linie rechtsextreme Gruppierungen. 30 Prozent der Menschen, die einst Republikaner, NPD und ähnliche Parteien gewählt haben, unterstützen heute die AfD. Laut DIW fühlen sich der AfD aber auch etwa sechs Prozent der ehemaligen FDP-Wähler sowie rund neun Prozent der vormaligen Linkspartei-Wähler verbunden. Bei Wählern von SPD , Grünen und Union sind es nur ein bis zwei Prozent. "Die Zukunft der AfD wird davon abhängen, ob sie es schafft, sich als konservative Alternative rechts neben der Union zu platzieren oder ob sie in das rechtsextreme Lager abrutscht", meinte DIW-Experte Kroh.

Welche Daten liegen der Untersuchung zugrunde?

Die Studie basiert auf dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) des DIW. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Befragung von mehr als 10 000 Privathaushalten, die seit 1984 jährlich durchgeführt wird. Auf diese Weise werden auch Daten etwa zu Arbeitssituation, Einkommen oder Gesundheit der Bürger gewonnen, die in die Sozialforschung einfließen.