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„Die Heimat erwartet Sie“
Putin zieht russische Truppen aus Syrien zurück

Hamaimim. Von Thomas Körbel und Simon Kremer

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach gut zwei Jahren Militäreinsatz in Syrien den Sieg erklärt und einen Teil­abzug seiner Truppen angeordnet. „Ein großer Teil des russischen Militärkontingents in der Syrischen Arabischen Republik kehrt nach Hause zurück, nach Russland“, sagte er gestern bei einem Besuch auf der Luftwaffenbasis Hamaimim in der Provinz Latakia. Bei der Truppeninspektion traf Putin den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.


Die Wintersonne schien Putin ins Gesicht, als er vor die Reihen der strammstehenden Soldaten an ein Mikrofon trat. „Sie kehren als Sieger in Ihre Heimat zurück, zu Ihren Angehörigen – Eltern, Frauen, Kindern – und Freunden. Die Heimat erwartet Sie, Freunde. Gute Reise. Ich danke Ihnen für den Dienst“, sagte Putin in einer Aufzeichnung des Staatsfernsehens. In einem sonoren Chor rief die Truppe: „Ich diene der Russischen Föderation!“

Die russische Luftwaffe fliegt seit September 2015 Angriffe in Syrien und unterstützt damit die Regierungstruppen. Aktivisten hatten Moskau mehrfach vorgeworfen, dass bei russischen Angriffen nicht nur Terroristen, sondern auch moderate Rebellen und Zivilisten getötet worden seien. Moskau weist dies zurück.



Bereits im November hatte Putin den syrischen Präsidenten Assad in Sotschi empfangen. Dabei hatte er signalisiert, dass sich der Militär­einsatz in Syrien dem Ende nähere. Der Zeitpunkt ist strategisch gut gewählt. International hat Russland mit seiner Intervention Assads Position stabilisiert, während der Westen weitgehend zugeschaut hat. Innenpolitisch kommt der Befehl wenige Tage nach Putins Ankündigung, für eine neue Amtszeit als Präsident zu kandidieren. Der Schritt dürfte seine ohnehin hohe Beliebtheit daheim weiter steigern. Denn: Der Einsatz ist kostspielig. Die Zahlen gelten als geheim, aber die Zeitung „RBK“ schätzt die Ausgaben auf 2,2 Millionen Euro pro Tag. Das entspräche rund 1,5 Milliarden Euro seit 2015.

Assad dankte Putin für die Hilfe. Was das russische Militär geleistet habe, werde nicht vergessen, sagte er der Staatsagentur Sana zufolge. Das Blut russischer und syrischer Märtyrer sei miteinander vermischt. „Dieses Blut ist stärker als Terrorismus und Söldner und wird künftigen Generationen im Gedächtnis bleiben.“

Nach offizieller Lesart dient Russlands Militäreinsatz dem Kampf gegen Terroristen, unter anderem gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Zuletzt hatten Moskauer Militärs wiederholt betont, dass der IS in Syrien weitgehend besiegt sei. „Wenn die Terroristen in Syrien noch einmal ihren Kopf erheben, dann werden wir ihnen einen Schlag versetzen, wie sie ihn zuvor noch nicht erlebt haben“, sagte Putin gestern.

Anschließend reiste Putin zu Gesprächen nach Ägypten. Moskau und Kairo wollten ihre gemeinsamen Anstrengungen für die Umsetzung des geplanten Volkskongresses erhöhen, sagte Putin bei einem Treffen mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Anschließend wurde Putin in der Türkei erwartet. Auch beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sollte es um Syrien sowie die umstrittene Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA gehen.