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Kommentar
Probleme werden nicht weggelächelt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Als vor 18 Jahren in Österreich erstmals ein Bündnis aus christlich-konservativer ÖVP und rechtspopulistischer FPÖ an die Regierung kam, war die Alpenrepublik das Schmuddelkind Europas.

Heute wird Sebastian Kurz, der einer neuen ÖVP-FPÖ-Regierung vorsteht, wie fast jeder andere Staatsmann in Berlin empfangen. Alles andere wäre freilich ein Fehler gewesen. Schließlich hat sich auch Europa seit der Jahrtausendwende stark verändert. Länder wie Ungarn, Polen oder Tschechien waren damals noch nicht in der EU. Heute sind sie dort eine unüberhörbare Stimme für mehr Abschottung. Kurz ist sicher kein Anti-Europäer. Dass der smarte Newcomer den politischen Ansichten eines Viktor Orban näher steht als denen von Angela Merkel, steht allerdings außer Frage. Entgegen sonstigen Gepflogenheiten wurden diese Differenzen gestern in Berlin auch nicht weggelächelt. Insbesondere in der Migrationspolitik liegen Merkel und Kurz schwer über Kreuz. Dabei darf man den forschen Kanzler daran erinnern, dass Österreich im September 2015 einen Hilferuf an Berlin sandte, als Tausende Flüchtlinge von Budapest gen Norden marschierten – und heilfroh war, dass sie in Deutschland eingelassen wurden.