| 21:18 Uhr

Was das Ausland über die Groko denkt
Presseschau

Die Koalitionsvereinbarung zwischen Union und SPD war gestern das beherrschende Thema der Kommentatoren im In- und Ausland:


„Der Tagesspiegel“, Berlin: Die SPD-Mitglieder entscheiden, und es ist nicht sicher, dass das Verhandlungsergebnis durchkommt. Es könnte inzwischen schicker sein, gegen die Groko zu stimmen als dafür. Zumal die Basis neben staunenswerten Erfolgen, inhaltlich wie bei den Ressorts, doch auch einiges zu schlucken hat – inhaltlich wie beim Personal. Martin Schulz ist das prominenteste Beispiel.



„Märkische Oderzeitung“, Frankfurt/Oder: Dass die SPD-Mitglieder für die Fortsetzung der Koalition stimmen werden, dafür ist die Wahrscheinlichkeit stark gestiegen. Wohl noch nie gab es einen Wahlverlierer, dem nach der Niederlage potenzielle Koalitionspartner so lange und so sehr die Stiefel leckten, dass sie zum Schluss fast blitzblank blinken. 

„Die Welt“, Berlin: Der Wortreichtum des Koalitionsvertrags kann dessen Ambitionslosigkeit nicht überdecken. Man macht halt, was man machen kann. Am betrüblichsten aber ist die personelle Seite. Zwei Parteivorsitzende, die ihre beste Zeit hinter sich haben, und ein Parteivorsitzender, der nie eine gute Zeit gehabt hat, haben sich zusammengetan.

„Mittelbayerische Zeitung“, Regensburg: Die Deutschen sind keine Nation der Mutigen, im Gegenteil, der Ausdruck „German Angst“ ist international zum stehenden Begriff geworden. Wagnisse schätzt man zwischen München und Flensburg nicht. Anders lässt sich nicht erklären, warum Merkel zum vierten Mal Kanzlerin wird. 

„Neue Zürcher Zeitung“: Wenn man überhaupt eine gemeinsame Vision erkennen will, dann das Ziel, die vor 15 Jahren beschlossenen Wirtschaftsreformen der Ära Schröder zurückzudrehen: Deutschland schreitet vorwärts in die Vergangenheit.

„Politiken“, Kopenhagen: Gewiss haben viele die große Koalition eigentlich satt, doch sie bedeutet das, was für die Deutschen am wichtigsten ist: Stabilität. (...) Angela Merkel wird weder zu Hause noch außerhalb Deutschlands die dominierende Figur sein, an die sich die Welt in den vergangenen Jahren gewöhnt hat.

„Lidove noviny“, Prag: Entsteht eine große Koalition nur deshalb, weil sich die politischen Eliten daran gewöhnt haben, dann ist es ein Weg in die Hölle. Die Menschen werden dann bei nächster Gelegenheit stärker den Protest wählen. Mit der dritten großen Koalition unter Angela Merkel startet Deutschland in eine unsichere Saison.