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Ärgernis für Urlauber
Polit-Streit um kostenlose Toiletten an Raststätten

Elisabeth Tömöch kümmert sich an der Rastanlage Goldene Bremm darum, daß die Gäste ein sauberes  "Örtchen"  vorfinden
Elisabeth Tömöch kümmert sich an der Rastanlage Goldene Bremm darum, daß die Gäste ein sauberes "Örtchen" vorfinden FOTO: becker&bredel
Berlin. Bis zu einem Euro muss zahlen, wer in Deutschland Toiletten an Autobahnraststätten nutzt. Linke und Grüne halten dies für Abzocke. Von Hagen Strauß

Die Sorgen von Urlaubern treibt auch Politiker um. Ein Zoff ist entbrannt um die Kosten für den Toilettengang auf Raststätten und Bahnhöfen. 70 Cent bis einen Euro müssen Urlauber zahlen. Linke und Grüne stören sich an den „Extraprofiten“ für den Klobesuch. Die Nutzung soll daher kostenfrei werden. „Wer kein Geld dabei hat oder sich die Gebühr von 70 Cent nicht leisten kann, wird gezwungen, seine Notdurft unter unwürdigen Bedingungen zu verrichten“, sagte der saarländische Linken-Abgeordnete Thomas Lutze. Dies führe zu mehr Verschmutzung, oft riechbar in Bahnhofsnähe. Es gebe keinen Grund, bei Autobahnraststätten nicht nach dem Gaststättenrecht zu verfahren. Dieses schreibt Gastronomen vor, eine kostenlose Toilette vorzuhalten. Auf Flughäfen seien die WCs schließlich auch gebührenfrei.



Mit einem entsprechenden Antrag im Bundestag waren die Linken Ende Juni gescheitert. Trotz täglicher Reinigung seien kostenfreie Toiletten oft „bis zur Unbenutzbarkeit verschmutzt oder beschädigt“, argumentierten Abgeordnete der Union. Die SPD sprang den Linken zwar bei, sie halte das Ziel „im Grundsatz für richtig“. Aber die Bundesregierung sei nicht verpflichtet, sich darum zu kümmern.

Die Grünen unterstützen inzwischen die Forderung der Linke. „Bei Beträgen zwischen 70 Cent und einem Euro kann man bei fehlenden Alternativen schon von Abzocke sprechen“, sagte der saarländische Abgeordnete Markus Tressel. Im Gegensatz zu den Linken wolle man aber nicht, dass alle Toiletten unentgeltlich zugänglich seien. Aber an stärker besuchten öffentlichen Rastanlagen und an Bahnhöfen müsse es ein solches Angebot geben. Und wenn nicht, müsse zumindest das Gutscheinsystem so angepasst werden, dass die Gutscheine „voll angerechnet werden können“. Das ist bisher nicht der Fall. Für den Gang aufs Klo zahlt man in der Regel 70 Cent, von denen man über einen Bon 50 Cent im Geschäft wieder einlösen kann. Dieses System habe sich bewährt, sagte eine Sprecherin von Tank & Rast. Das Unternehmen betreibt mit der Tochtergesellschaft Sanifair rund 500 Anlagen.