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| 20:14 Uhr

Polit-Clown auf AbrufMehrheit der Studenten kennt die Bundesversammlung nicht

Berlin. Warum tut er sich das an? Bei solchen Fragen steigt Peter Sodann die Empörung ins Gesicht. "Der Satz ist blöde", schnauzt er ungehalten. "Ich dachte, man kann der Welt zu ihrem Glück verhelfen". Das Problem ist nur, dass sich die Welt einfach nicht nach seiner Beglückung sehnt Von SZ-Korrespondent Stefan Vetter

Berlin. Warum tut er sich das an? Bei solchen Fragen steigt Peter Sodann die Empörung ins Gesicht. "Der Satz ist blöde", schnauzt er ungehalten. "Ich dachte, man kann der Welt zu ihrem Glück verhelfen".

Das Problem ist nur, dass sich die Welt einfach nicht nach seiner Beglückung sehnt. Seit Mitte Oktober gibt der 72-jährige gebürtige Sachse den Präsidentschaftskandidaten der Linkspartei. Außer Peinlichkeiten und ein paar provokanten Sätzen blieb davon allerdings wenig haften. Für einen gelernten Theaterdirektor und Schauspieler, der als Tatort-Kommissar Ehrlicher ein Millionen-Publikum begeisterte, ist das eine schmerzliche Erfahrung. Sodann schimpft dann auch wie ein Rohrspatz über die "Dummheit" und "Häme" der öffentlichen oder besser veröffentlichten Meinung. "Sodann hat alles, was man den Ossis vorwirft", lästerte die FAZ. "Fatal" nannte ihn die "Die Zeit". Das hat Spuren hinterlassen. So flüchtet sich der Gescholtene mittlerweile in sarkastische Selbstironie: Der Titel "Polit-Clown" sei schon "hart an der Wahrheit".

Haft für Josef Ackermann

Sodanns Tragik hat seinen Ursprung im rot-roten Kleinkrieg auf der bundespolitischen Bühne. Die Strategen der Linkspartei hatten eigentlich auf ein Signal aus der SPD gehofft, um sich auf einen gemeinsamen Köhler-Herausforderer zu verständigen. Mit Kurt Beck an der SPD-Spitze wäre das vielleicht sogar gelungen. Aber nicht mit Franz Müntefering, der nach Becks Rückzug wieder das sozialdemokratische Ruder übernahm. Als die SPD-Favoritin Gesine Schwan dann noch Oskar Lafontaine einen Demagogen nannte, war es mit dem Traum von der roten Einheitsfront endgültig vorbei. Prompt schwärmte der Linksparteichef über einen eigenen Kandidaten vom "Format eines Jürgen Habermas". Den gab es aber nicht. Nach langer erfolgloser Suche war das Anforderungsprofil auf einen einzigen Punkt zusammengeschrumpft: Der Kandidat durfte mangels jeder Erfolgschance keine ernsthaften Ambitionen für das höchste Staatsamt hegen. Dafür stand Peter Sodann gewissermaßen auf Abruf. Schon vor vier Jahren wollte Sodann als parteiloser Spitzenmann für die Linken in den Bundestag einziehen.

Am Ende war ihm jedoch die Hauptrolle im "Tatort" wichtiger. Jetzt sagte Sodann: "Du hast schon mal ein Theater geleitet, warum sollst du nicht Bundespräsident werden?" Muss sich so einer über das Echo wundern?

Auch den Linken schwante schnell, dass aus ihrem vermeintlichen Aushängeschild ein Mühlstein zu werden drohte. Denn der Kandidat redete unbekümmert weiter. Zunächst klärte er die Nation über die Erfolgserlebnisse seines morgendlichen Stuhlgangs auf. Dann wollte er gern Deutsche-Bank-Chef Ackermann verhaften, und die Demokratie in Deutschland fand er auch nicht die richtige. Für Termine mit den Medien wurde ihm schließlich ein Aufpasser zur Seite gestellt. Aber Sodann blieb beratungsresistent.

Bei Zeitungsinterviews mag das noch gehen. Denn die müssen autorisiert werden. Mancher Journalist erregt sich deshalb, dass die korrigierte Textfassung kaum noch etwas mit dem geführten Interview gemein hat. Ein Sodann-Statement für den Rundfunk oder das Fernsehen ist schon gefährlicher. Da lässt sich nichts mehr reparieren.

Trotzdem wäre es ein Trugschluss zu glauben, dass die Linkspartei den Kandidaten am liebsten verstecken würde. Der Medienhunger auf verunglückte Sodann-Zitate hat zwar merklich nachgelassen. Doch der Kandidat ist auch in den letzten Wochen vor dem Wahltermin viel unterwegs gewesen. Besuch der linken Landesfraktionen in Erfurt und Bremen, eine Rede zum 1. Mai im bayerischen Burghausen, Teilnahme am Gedenkmarsch für die KZ-Opfer in Wurzen, Begegnung mit Bürgern in Meißen. Fast immer ist es ein Heimspiel für Sodann. So wie vor ein paar Tagen auf einer Podiumsveranstaltung des "Neuen Deutschland" in Berlin. Früher war die Zeitung das Zentralorgan der SED, heute ist sie das Hausblatt der Linkspartei. Vor dem überwiegend älteren Publikum braucht sich Sodann für nichts zu rechtfertigen. Dabei hätte zu DDR-Zeiten wohl mancher über ihn die Nase gerümpft. Für seine systemkritischen Kabarett-Texte wurde Sodann aus der SED ausgeschlossen und sogar ins Gefängnis gesteckt. Warum Sodann der Linkspartei trotzdem die Stange hält? Weil die gute Idee des Sozialismus einfach nur schlecht gemacht gewesen sei. Und dann reiht Sodann eine persönliche Anekdote an die andere. Dass er eigentlich Bürgermeister werden wollte, um ein "sozialistisches Bilderbuchdorf" zu errichten. Dass er sich als "betender Kommunist" betrachtet, weil er das Vaterunser besser aufsagen könne als die meisten Pfarrer, und dass er jeweils ein Exemplar aller in der DDR veröffentlichten Buchtitel sammelt, weil heute soviel "Scheiße" gelesen werde, und weil in der Wendezeit massenweise DDR-Publikationen "entsorgt" worden seien. "Die Bücherverbrennung der Nazis war gar nichts gegen die Büchervernichtung 1989", resümiert Sodann. Ein gestandener Politiker hätte sich mit solchen absurden Vergleichen um Kopf und Kragen geredet. In der ostalgischen Wärmestube des "Neuen Deutschland" bleiben sie unwidersprochen.

Dem Amtsinhaber Horst Köhler ist Peter Sodann noch nie persönlich begegnet. Und mit Gesine Schwan hat er auch kein Wort gewechselt. "Ich will auch nicht", sagt der Linkskandidat. Aber er ist froh darüber, dass der ganze Rummel am kommenden Wochenende vorbei ist. "Ich würde nicht sagen, Herr Gott, es könnte länger gehen. Das wäre gelogen". > wird fortgesetzt

Hamburg. Die Mehrheit der deutschen Studenten weiß einer Umfrage zufolge nicht, wer am kommenden Samstag den Bundespräsidenten wählt. Nicht einmal die Hälfte von 200 000 befragten Hochschülern habe die Frage nach der Bundesversammlung richtig beantwortet, berichtete das Nachrichtenmagazin "Spiegel" unter Berufung auf eine gemeinsame Umfrage mit dem Internet-Portal StudiVZ. Bei dem so genannten "Studentenpisa-Test" wurden über mehrere Wochen auf der Internet-Seite des "Spiegels" verschiedene Wissensgebiete abgefragt - darunter auch Politik. ddp

Hintergrund

Die Wahl des Staatsoberhauptes obliegt der Bundesversammlung, die nur dafür vom Bundestagspräsidenten einberufen wird. Sie besteht laut Grundgesetz "aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden". Die Bundesversammlung tritt am 23. Mai 2009 zusammen.

Nach jetzigem Stand werden dann die 612 Bundestagsabgeordneten und ebenso viele Länder-Vertreter im Reichstagsgebäude sitzen. Das sind insgesamt 1224 Mitglieder. Die in den ersten Wahlgängen erforderliche absolute Mehrheit liegt somit bei 613 Stimmen. ddp