| 20:14 Uhr

Piraten "jubeln" über deutschen Rückzug

St. Augustin/Mombasa. Genervt kehren die Männer der geheimen Elite-Einheit GSG 9 von ihrem abgebrochenen Einsatz gegen die Piraten vor der somalischen Küste zu ihrem Standort nach St. Augustin bei Bonn zurück Von ddp-Mitarbeiter Friedrich Kuhn

St. Augustin/Mombasa. Genervt kehren die Männer der geheimen Elite-Einheit GSG 9 von ihrem abgebrochenen Einsatz gegen die Piraten vor der somalischen Küste zu ihrem Standort nach St. Augustin bei Bonn zurück. Die "Männer ohne Gesicht", die stets völlig verdeckt operieren, seien "not amused", "überhaupt nicht erfreut", war gestern trotz strengster Geheimhaltung aus ihrem Heimatquartier zu erfahren. Die rund 200 Angehörigen der GSG 9, die 24 gekidnappte Seeleute aus mehreren Ländern, unter ihnen fünf Deutsche, auf dem Frachtschiff "Hansa Stavanger" im Indischen Ozean aus Piratenhand befreien sollten, sollen morgen von der kenianischen Hafenstadt Mombasa nach St. Augustin zurückkehren, war aus Sicherheitskreisen zu erfahren. Besonders betroffen seien die GSG-9-ler darüber, dass ihre Kameraden von der US-Spezialeinheit "Seals" (Seelöwen) sie für "nicht professionell genug" gehalten haben, die Geiseln auf der "Hansa Stavanger" zu befreien. Kämpfer der "Seals", der härtesten amerikanischen Spezialeinheit, hatten am Ostersonntag drei Piraten mit Kopfschüssen getötet, um den Kapitän des gekaperten US-Frachters "Maersk Alabama", Richard Phillips, freizubekommen. Ein vierter Pirat war mit einer "Kriegslist" gefangen genommen worden. Diese Aktion war international als Bravourstück gewertet worden. "Seelöwen" als VorbildDie US-Marine hatte der GSG 9 ihren Hubschrauberträger "USS Boxer" zur Verfügung gestellt. Von dieser "Plattform" aus wollten die Männer der GSG 9 und Kampfschwimmer die "Hansa Stavanger" entern. Die Bundesregierung wollte ein Exempel statuieren. Die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg sollte nicht auf die Lösegeldforderungen der Piraten in Höhe von 15 Millionen Euro eingehen. Die Piraten sollten "ein für alle Mal" eingeschüchtert werden, lautete die Devise der Bundesregierung. Die GSG 9 hatte schon vor drei Wochen nach der Kaperung des deutschen Frachters am 4. April einen ersten vergeblichen Versuch unternommen, die Geiseln vom Handelsschiff zu befreien. Diese Befreiungsaktion verlief erfolglos, weil die Seeräuber das gekaperte Schiff schnell in ihren Schlupfwinkel in einer Bucht bei Harardere an der somalischen Küste bringen konnten. Aus Geheimdienstkreisen in Djibouti war zu hören, dass die Piraten über "ihr gut funktionierendes Netz" zwischen ihren Mutterschiffen und am Strandgelände von Somalia den "neuen Aufmarsch" der GSG 9 "minutiös" beobachtet haben. Nachdem es zwischen dem Innen-, Außen- und Verteidigungsministerium in Berlin zu heftigen Auseinandersetzungen über den gewagten Einsatz gekommen war, begannen die Amerikaner über ihre Unterstützung für das geplante Entern der "Hansa Stavanger" durch die Deutschen "nachzudenken". Wie aus US-Quellen verlautete, habe die Aussage der "Seals", dass die GSG 9 das Manöver "nicht schaffen wird", den letzten Ausschlag für die US-Regierung gegeben, das Unternehmen nicht mehr mit der "USS Boxer" zu unterstützen.Schwerer Rückschlag Auch in Berlin machten sich die Bedenken breit, alles könne in einem Blutbad enden und die Blamage für die GSG 9 im Vergleich zur Befreiung von US-Kapitän Richard Phillips durch die "Seals" sei "programmiert". Dieses Risiko habe Berlin nicht eingehen wollen, hieß es in Sicherheitskreisen. "Wir können mit solch gewagten Aktionen nicht mit den Möglichkeiten der Amerikaner mithalten", unterstrich ein Sicherheitsexperte. Der "politische Stopp" durch Berlin für die Befreiungsoperation der "Hansa Stavanger" sei ein schwerer Rückschlag im Kampf gegen die Piraten. Aus ihrem Funkverkehr hätten die westlichen Geheimdienste entnehmen können, dass die Freibeuter über die Niederlage der GSG 9 "geradezu jubelten". Bisher gebe es wohl keine andere Lösung als Lösegeld zu zahlen, um ein Schiff freizubekommen, meinte ein Geheimdienstler.