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| 20:13 Uhr

„Osmanen Germania“ gegen „Bahoz“

Die „Osmanen Germania“ mit ihren markanten Kutten tauchen längst nicht mehr nur bei Box-Veranstaltungen auf. Foto: Roessler/dpa
Die „Osmanen Germania“ mit ihren markanten Kutten tauchen längst nicht mehr nur bei Box-Veranstaltungen auf. Foto: Roessler/dpa FOTO: Roessler/dpa
Saarbrücken. Die „Osmanen“ sind nationalistisch, die „Bahoz“ eher antifaschistisch. Aber eines sind sie beide: gewaltbereit. Seit dem Putsch in der Türkei droht in Deutschland die Eskalation. Von Pascal Becher
Pascal Becher

Die "Osmanen " waren auf dem Frankfurter Opernplatz, als dort 1500 Erdogan-Anhänger noch in der Nacht des Putschversuchs für ihren Präsidenten demonstrierten. Auch in Köln hatte sich eine Sektion der Gruppe angekündigt. Die Männer in ihren schwarzen Lederkutten vom "Osmanen Germania Boxclub" (OG) wollen dabei nicht nur Position für die türkische Regierung beziehen, sondern auch Präsenz zeigen - gegen eine verfeindete Vereinigung: "Bahoz". Der "Sturm", so die deutsche Übersetzung des Gruppennamens, bewacht seit einigen Monaten kurdische Großdemos.

"Es deutet einiges auf einen möglichen Stellvertreterkonflikt hin", sagt Markus Weiß vom Landeskriminalamt Hessen zur SZ. Hintergrund sind die Spannungen in der Türkei rund um den Präsidenten. Aber wer steckt hinter den Gruppen, deren Rivalität seit Monaten die Polizei in Deutschland in Atem hält? Die erst im Herbst 2015 gegründete rockerähnliche Gruppe "Osmanen Germania" hat mit einem kleinen Boxclub bei Offenbach begonnen. Inzwischen gibt es zahlreiche deutschlandweite Ableger. Die "Osmanen " seien ähnlich strukturiert wie die "Hells Angels ", treten auch so auf, seien aber kein Motorradclub. Zwischen den beiden Clubs kommt es immer wieder zu heftigen Revierstreitigkeiten. Außer in der Türsteherszene sollen die OG-Mitglieder auch Geld mit Objekt- und Personenschutz verdienen. Denn viele "Osmanen " seien erfahrende Kampfsportler, auch mit kriminellem Hintergrund, sagt die Polizei . Ihr weltweites Zentrum ist im hessischen Dreieich. Politisch gelten sie als türkisch-nationalistisch, zudem sollen sie enge Verbindungen zur türkischen Regierungspartei AKP und den Grauen Wölfen haben.

Anders "Bahoz". Die Gruppierung wurde erst im Frühjahr in Baden-Württemberg gegründet - als Zusammenschluß junger kurdischer Männer. Sie steht aber, wie sie auf Facebook schreibt, allen offen. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden sind die Mitglieder von "Bahoz" bereit, ihre politischen Ansichten auch mit Gewalt zu verteidigen - gerade gegen die "Osmanen ". Die Gruppe beschreibt sich selbst als "antirassistisches" Projekt, das wie "ein Sturm die Straßen vom faschistischen Dreck befreien" wolle.

"Osmanen " und "Bahoz" haben schon jetzt jeweils über 1500 Mitglieder, schätzt die Polizei . Nicht alle seien dabei "politisch motiviert", sagt Weiß. Manche scheuten einfach den in anderen Rockerclubs üblichen langen Weg nach oben - "falls er ihnen wegen ihrer Nationalität überhaupt offen gestanden hätte".