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Taufstelle von Jesus Christus
Ohne Minen zur heiligen Stätte

Räumarbeiten im palästinensischen Kasr Al Jahud: Hier, wo vor 2000 Jahren Jesus Christus getauft worden sein soll, liegen überall israelische Minen. Die Stiftung Halo will sie beseitigen.
Räumarbeiten im palästinensischen Kasr Al Jahud: Hier, wo vor 2000 Jahren Jesus Christus getauft worden sein soll, liegen überall israelische Minen. Die Stiftung Halo will sie beseitigen. FOTO: --- / dpa
Kasr Al Jahud. Die überlieferte Taufstelle von Jesus in Palästina ist ein beliebtes Touristenziel an Ostern. Doch wer sie sehen will, gefährdert sein Leben. Das könnte sich bald ändern.

() Im Schwesterngewand steht Inga Krampitz am Fluss Jericho. Genau hier, in Kasr Al Jahud (Arabisch: das jüdische Schloss) soll vor gut 2000 Jahren Jesus Christus getauft worden sein. „Ich kann es kaum glauben, dass ich diese heilige Stätte noch mal besuchen kann“, sagt die 80-Jährige aus Lemförde nordöstlich von Osnabrück. Sie ist zum ersten Mal in Israel, die Reise war ein Geburtstagsgeschenk.


Zehntausende Touristen werden über die Osterfeiertage allein hier erwartet. Sie alle passieren dieselbe Straße hinunter zur Taufstelle. Doch der Weg zum drittheiligsten Ort der Christenheit ist gesäumt von Stacheldrahtzäunen und Warnschildern. „Gefahr. Minen!“ Die Taufstelle von Jesus – sie liegt am Rande eines etwa eine Million Quadratmeter großen Minenfelds, das nun geräumt wird. „In zwei Minengürteln liegen hier hauptsächlich Antipanzer-Minen“, erklärt Ronen Schimoni. Er leitet das Räumprojekt für die Halo-Stiftung, eine humanitäre Organisation aus Großbritannien. Bis zu 3000 Minen, Sprengfallen und andere Kriegsüberreste wie Mörsergranaten liegen hier nach Angaben von Israels Verteidigungsministerium im Wüstensand. Die Minenfelder waren im Sechstagekrieg von der israelischen Armee ausgelegt worden, als militärische Sperrzone zum nur wenige Hundert Meter entfernten Jordanien. Nach Ende des Krieges wurden die Kirchengebäude von ihren christlichen Bewohnern aufgegeben.

Im Christentum gilt Kasr Al Jahud als drittheiligster Ort, nach der Geburtskirche in Bethlehem und der Grabeskirche in Jerusalem. Acht verschiedene christliche Glaubensgemeinschaften besitzen Grund auf dem Gelände: Sieben Kirchen wurden dort gebaut, auch eine römisch-katholische. „Nach dem Krieg nutzten jordanische Kämpfer die Kirchen, um ihre Terror-Angriffe auf Israel vorzubereiten“, erklärt Schimoni. Die israelische Armee habe die Gebäude daraufhin mit Sprengfallen versehen. Seit 50 Jahren hat niemand mehr die Gebäude betreten.

„Ich bin einmal mit einer Drohne an eine der Kirchen herangeflogen und habe mir durchs Fenster die Mosaike im Inneren angesehen“, erzählt Schimoni. „Sie sind wunderschön.“ Hineinzufliegen habe er sich aber nicht getraut.

Die Halo-Stiftung hat nach eigenen Angaben bereits fünf Minenfelder im Westjordanland geräumt. Das Minenfeld an der Taufstelle ist das sechste. Minenräumarbeiter aus Georgien sind dort unter Schimonis Aufsicht zusammen mit Palästinensern und Israelis tätig. „Hier arbeiten Juden, Christen und Muslime an einem gemeinsamen Ziel“, erklärt er stolz. Die Stiftung trägt auch einen Großteil der Kosten des millionenschweren Projekts. Eine Million Dollar (etwa 812 000 Euro) hat Halo bereits an Spendengeldern gesammelt. „Uns fehlen noch 150 000 Dollar“, sagt Schimoni. Etwa die Hälfte der Kosten trägt nach Angaben einer Sprecherin das israelische Verteidigungsministerium. Es unterstützt die Halo-Stiftung auch mit Plänen der Minenfelder. Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt das Vorhaben. „Die Minenräumung an der Taufstelle Jesu ist seit Jahren dringend notwendig“, sagt Sprecher Matthias Kopp. Der urchristliche Ort gehöre zum historischen Erbe des Heiligen Landes. „Die Taufe Jesu war ein friedvolles Ereignis. Deshalb darf dieser Ort nicht von Minen beherrscht werden.“



Marcel Aviv, Direktor des israelischen Minen-Aktionszentrums im Verteidigungsministerium, sagt: „Wir haben lange auf diesen Tag gewartet.“ Man freue sich darauf, das Gelände für alle Besucher zu öffnen. Nach Angaben der Stiftung könnten die Arbeiten bereits an Weihnachten 2018 abgeschlossen sein.