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Verkehr im Saarland
Saarländer sind Bus- und Bahn-Muffel

Mehr als die Hälfte der Saarländer nutzt Busse und Bahnen nicht.
Mehr als die Hälfte der Saarländer nutzt Busse und Bahnen nicht. FOTO: Matthias Zimmermann
Saarbrücken. Zu teuer, zu kompliziert, zu unflexibel: Mehr als die Hälfte der Saarländer verzichtet auf öffentliche Verkehrsmittel. Das zeigt eine neue Umfrage. Von Iris Neu-Michalik

Mehr als jeder zweite Saarländer nutzt nie den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Das geht aus einer repräsentativen Befragung mit 1000 Teilnehmern  hervor, die das saarländische Verkehrsministerium in Auftrag gegeben hatte. Insgesamt 57 Prozent gaben demnach an, überhaupt nicht per Bus, Saarbahn oder Regionalbahn unterwegs zu sein.


Zugleich nutzen 68 Prozent der Saarländer täglich oder fast täglich das Auto. In den Landkreisen außer­halb Saarbrückens ist die Bevorzugung des Pkw besonders ausgeprägt: Hier fahren durchschnittlich 74 Prozent (fast) täglich mit dem Auto, und 61 Prozent verzichten ganz auf Busse sowie Saar- und Regionalbahnen. In der Landeshauptstadt steigen 58 Prozent (fast) täglich ins Auto, gleichzeitig sind 45 Prozent nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Bundesweit liegt das Saarland bei der Nutzung des ÖPNV zusammen mit Thüringen und Schleswig-Holstein auf dem zweitletzten Platz. Nur für acht Prozent der Saarländer sind Bus und Bahn Hauptverkehrsmittel, wie die Erhebung „Mobilität in Deutschland“ von 2017 ergab. Flexibilität ist der aktuellen Befragung zufolge der Hauptgrund dafür, dass sich Saarländer lieber ins Auto setzen. Sowohl Nicht- als auch Vielnutzer der öffentlichen Verkehrsmittel sind außerdem der Meinung, die Fahrpreise müssten günstiger, die Fahrpläne dichter getaktet und das Tarif- und Vertriebssystem vereinfacht werden.



Saar-Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) sieht angesichts der Umfrage-Ergebnisse deutlichen Verbesserungsbedarf für den ÖPNV: „Die Antworten zeigen, dass vielen das derzeitige Tarifsystem zu kompliziert ist“, sagte Rehlinger am Freitag. Die unterschiedlichen Fahrkartenangebote seien nicht bekannt und würden folglich auch nicht angenommen. „Hier müssen wir gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen mehr Transparenz schaffen“, so die Ministerin. Das Fahrtenangebot solle ebenfalls optimiert werden.

Verkehrs­ministerin Anke Rehlinger (SPD) will das Tarifsystem für den ÖPNV transparenter gestalten.
Verkehrs­ministerin Anke Rehlinger (SPD) will das Tarifsystem für den ÖPNV transparenter gestalten. FOTO: dpa / Harald Tittel