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Gipfel in Pjöngjang
Nordkorea plant konkrete Schritte zur Abrüstung

Südkoreas Präsident Moon und Nordkoreas Machthaber Kim (r.) gestern in Pjöngjang.
Südkoreas Präsident Moon und Nordkoreas Machthaber Kim (r.) gestern in Pjöngjang. FOTO: AP / Pyongyang Press Corps Pool
Pjöngjang. Machthaber Kim sagt beim Gipfel mit Südkorea zu, wichtige Atom- und Raketenanlagen zu demontieren – setzt aber auf Trump. dpa

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat konkrete Abrüstungsschritte angekündigt. Auf einem Gipfel mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae In in Pjöngjang bot Kim gestern überraschend die Demontage seines wichtigsten Atomkomplexes an. Er fordert dafür aber Entgegenkommen der USA. Auch will er eine große Raketenanlage weiter abbauen und Inspekteure ins Land lassen. US-Präsident Donald Trump begrüßte die Gipfel­ergebnisse als „sehr spannend“.


Ob die festgefahrenen Verhandlungen der USA mit Nordkorea über die atomare Abrüstung des stalinistischen Staates wieder aufgenommen werden, sagte Trump zunächst aber nicht. Den Prozess wiederzubeleben, ist Ziel von Präsident Moon, der am zweiten Gipfeltag mit Kim eine „Erklärung von Pjöngjang“ unterzeichnete.

Nordkoreas Machthaber bekräftigte seine grundsätzliche Bereitschaft zur Abrüstung, ließ aber weiter offen, wann und wie sein Atomwaffen- und Raketenarsenal konkret abgebaut werden kann. „Wir haben vereinbart, die koreanische Halbinsel zu einem Land des Friedens ohne Atomwaffen und ohne nukleare Bedrohung zu machen“, sagte Kim bei einem gemeinsamen Auftritt mit Moon. Der Konflikt schwelt seit Jahrzehnten. Ein Friedensvertrag wurde nie geschlossen. Die Streitkräfte beider Seiten vereinbarten nun vertrauensbildende Maßnahmen nahe der schwer militarisierten Grenze, um Zwischenfälle zu vermeiden.



Neben Trump reagierte auch Russland positiv auf die Gipfel-Ergebnisse. Jetzt muss geklärt werden, was Kim im Gegenzug von den USA erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass Nordkoreas Führer eine Lockerung oder Aufhebung der Sanktionen sowie Sicherheitsgarantien fordert. Kim hatte auch einen zweiten Gipfel mit Trump vorgeschlagen.

Kim will nach eigenen Angaben auch „bald“ zu einer Visite nach Seoul reisen. In der Geschichte des geteilten Koreas wäre es der erste Besuch eines nordkoreanischen Machthabers in Südkoreas Hauptstadt. Beide Staaten wollen sich zudem gemeinsam um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2032 bewerben.

Schon beim Gipfel mit Trump im Juni hatte Kim seine Bereitschaft zur Denuklearisierung wiederholt, ohne indes einen Zeitplan zu nennen.