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Saarbrücken
Ein Königspaar verzaubert an der Saar

Niederländisches Königspaar zu Besuch in der Staatskanzlei FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Vor 104 Jahren war zum letzten Mal ein König im Saarland zu Gast. Am Donnerstag war es wieder so weit: Die niederländischen Royals schüttelten Hände und rührten Herzen – und das im Herzen von Saarbrücken. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Ein historischer Tag, und dann ist doch alles wie immer am Saarbrücker Schlossplatz? Plaudereien unter alten Bäumen, wenige Passanten, kaum Polizeipräsenz. Nicht ganz. Oranje-Hütchen wie am Donnerstag sieht man in Saarbrücken eher selten, auch haben sich im Bürgerschloss unzählige Fenster geöffnet, und im Eingangsportal zeigt sich bereits von weitem eine leuchtende Silhouette in Königsblau: die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD). Ein Outfit mit Wow-Effekt, auch dank pompöser Amtskette, ideal für die Fotostrecken der Yellow-Press. Irgendwann hält es dann selbst Wolfgang Stein dann doch nicht mehr auf seinem Stuhl vor dem Schlosscafé. Das ist gegen 12.25 Uhr, und kurz drauf geht Steins Foto von Königin Máxima (47) auf die Reise ins Netz. Steins Logenplatz ist Zufall, seine Verabredung am Schloss länger geplant, gänzlich unabhängig vom „Königstag“ im Saarland. Steins Käsespaten mussten jedenfalls warten, obwohl er nun wirklich kein Royals-Fan ist. Aber Eventfieber ist nun mal ansteckend. Das ging auch Uwe Ranta mit Tocher Janna (12) so. Als sie mit dem Auto in den abgesperrten Bezirk rund um die Staatskanzlei fuhren, entschlossen sie sich, zu bleiben. Alle anderen vor Ort Befragten waren jedoch gezielt unterwegs, outen sich als Royals-Experten, sprechen über Máximás „Hutgesicht“ oder schwenken wie Sarah Becker (29) selbst gebastelte niederländische Fahnen. Willi Ros, die seit 32 Jahren im Saarland wohnt, ist, obwohl Niederländerin, ohne Holland-Devotionalien da. „Die Holländer und die Könige, das gehört zusammen“, sagt sie in die Kamera des holländischen Senders „Blauw Bloed“ - Blaues Blut. Der Name beglaubigt ihre Aussage.


Viele, richtig viele der rund 300 Wartenden vor der Staatskanzlei, wo der Besuch gegen 11.30 Uhr startete, werden belohnt. Mit Händeschütteln, sogar mit kurzen Unterhaltungen. Denn König Willem-Alexander (51) verlässt sehr bald mit den Worten „Ich will kurz Hallo sagen“ das Gastgeberpaar auf dem roten Teppich, Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und seine Frau Tanja; erst vor einer Woche war die Geburt ihrer Zwillinge.

Königspaar am Saarbrücker Schloss FOTO:


Folgt Willem einem Impuls? Nein, selbst Zeit für natürliches Verhalten wird vom Protokoll eingeplant. Insbesondere deshalb, weil sich das niederländische Paar für seinen Saarland-Besuch ausdrücklich Bürgernähe wünschte, wie man von Saar-Protokoll-Chefin Bianca Kappler erfährt. Das Paar gilt generell als das wohl unkomplizierteste und sympathischste aller Royals-Paare. Sind sie wirklich Klischee-Holländer? Nett, locker, extrovertiert? Höchstens die unmittelbaren Tischnachbarn bei den beiden offiziellen Essen können dies in Erfahrung bringen. Die Medien werden auf Distanz gehalten. Doch auch die Journalisten nehmen wahr: Das pflichtschuldige Winken in die Menge wirkt bei Willem-Alexander und Máxima (47) „echt“ erfreut: Der Monarch nimmt am Ludwigsplatz dafür schon mal gleich zwei Hände hoch, obwohl kein Jubel aufbrandet. Die Wartenden antworten ebenfalls mit natürlicher Freude und bei den Kurz-Kontakten in einem Tonfall, als begrüße man den König zu Hause an seinem Wohnzimmertisch. „Ihr Vater war ja Deutscher“, heißt es von einer älteren Dame. Die jüngeren haben bereits bewundernd oder enttäuscht gezischt, als Máxima ausstieg. Nicht nur wegen der delikaten Farb-Kombination Beige-Rot, die sie trägt, auch wegen des roten Hütchens, das weniger dramatisch ausfällt als sonst, dafür umso kecker wirkt. Die Vorzeige-Blondine gilt als Modefan, 270 ihrer Outfits lassen sich im Internet aufrufen. „Ist die so schlank, sie ist so schön“, wogt es wie ein Refrain durch die Menge, auch männliche Stimmen sind darunter. Ja, Máxima hat live mehr zu bieten als auf gegoogelten Bildern. Etwa ein formvollendetes In-die-Hocke gehen, um sich mit der viereinhalbjährigen Máxima auszutauschen, die ihr einen Blumenstrauß bringt. „Give me five“, fordert sie die Kleine auf, ihre Hände treffen sich. Es ist mehr als die übliche Geste, es ist ein zutiefst menschlicher Augenblick. Máximas Mutter Gertraud Franz aus Saarbrücken) hat ihn herbeigeführt, schrieb an die Staatskanzlei, als sie vom Königspaar-Besuch hörte. Sie, die späte Mutter, erlebte die Schwangerschaft als Geschenk, und als sie im Fernsehen 2013 die Krönung von Willem und Máxima sah, suchte sie mit ihrem Mann gerade nach einem Namen für ihr Kind. Gertraud Franz ist an diesem Tag das Herz übervoll.

Tränen, große Momente, Besuche mit Schauwerten: Vor 104 Jahren war zum letzten Mal ein König im Saarland zu Gast: Kaiser Wilhelm II., König von Preußen. Und 2013 begrüßte man den Großherzog von Luxemburg – übrigens die dem holländischen Königshaus nächstgelegene dynastische Linie. Weshalb König Willem-Alexanders erster Staatsbesuch nach seiner Krönung auch Luxemburg galt. Nun bereisen er und seine Frau bereits seit einigen Jahren die deutschen Bundesländer, nach Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die sich die hoheitlichen drei Tage seit Mittwoch fifty-fifty teilen, sind nur noch vier übrig. Bis 2020 wird das Königspaar das Arbeitsprogramm in polit-ökonomischer Mission durch haben. Und ein Arbeitsbesuch war und ist das nun auch im Saarland, die holländische Außenhandelsministerin Sigrid Karg reist mit, es geht um Kontaktpflege in Sachen digitale Industrie.

Niederländisches Königspaar zu Besuch an der Saar-Uni FOTO: BeckerBredel

100 Firmen mit holländischen Niederlassungen gibt es hier zu Lande. Ging es in Rheinland-Pfalz um Wein und Binnenschifffahrt, hat die niederländische Botschaft im Saarland Zukunft im Visier, „Automotive“ etwa und E-Health.

Wie gut und fortschrittlich das Image des Saarlandes in dieser Hinsicht in den Niederlanden ist, hörten die rund 60 Gäste aus dem Bereich Verkehrsplanung und Autoherstellung beim Mittagessen im Schloss. Auch Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) ließ sich das Speisen in royaler Atmosphäre nicht nehmen. Schlanke, dezente Tischdeko in Weiß-Grün, in der Mitte des Festsaales nahm der Monarch mit Gattin an einer langen Ehrentafel Platz. Nur hier ergriff König Willem-Alexander offiziell, auch für die Medien, das Wort. Und was er sagte, ist in jeder Hinsicht schmeichelhaft. Historisch gesehen habe das Saarland dank der Stahlindustrie zu den „Pionieren“ auf dem Kontinent gehört, so der Monarch. Nun erfinde es sich neu: „Vom Rohstahl zum Roboter“, so lasse sich die Wirtschaftsgeschichte zusammenfassen. „Es ist inspirierend, sich über Ihre großen Ambitionen auf diesem Gebiet zu informieren.“ Der König äußerte sich überzeugt davon, dass die Niederlande und das Saarland auf wirtschaftlichem Gebiet „viel zu bieten“ haben. „Das Saarland ist nicht sehr groß, aber es beeindruckt durch seinen Unternehmergeist und sein Fortschrittsdenken.“

Zu Beginn seiner Rede hatte Willem-Alexander überraschend persönliche Töne angeschlagen, er verwies auf die „intensiven Tage“, die Ministerpräsident Hans und seine Frau Tanja derzeit als junge Eltern durchlebten und gratulierte „von Herzen“ zur Geburt ihrer Zwillinge, eines Sohnes und einer Tochter. Nein, das alles klang gar nicht steif und förmlich. Auch Ministerpräsident Hans (CDU) hatte bei der Begrüßung im Schloss als Gastgeber den richtigen, einen entspannten Ton getroffen. Und so nimmt man dem Regierungschef denn die erste Reaktion ab. Auf SZ-Nachfrage meinte er am gestrigen Nachmittag, er sei „erfreut über den herzlichen Austausch“. Hört sich ein wenig überrascht an: Womöglich sind Royals pflegeleichtere Gäste als Politiker?

Willem-Alexander (M), König der Niederlande, und Königin Maxima begrüßen in der Aula der Universität mit Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung des Deutsches Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), einen Roboter des Forschungszentrums.
Willem-Alexander (M), König der Niederlande, und Königin Maxima begrüßen in der Aula der Universität mit Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung des Deutsches Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), einen Roboter des Forschungszentrums. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Das niederländische Königspaar, Willem-Alexander und Máxima, besuchen am 11. und 12. Oktober das Saarland, fotografiert am Donnerstag (11.10.2018). Hier die Ankunft vor der Staatskanzlei.
Das niederländische Königspaar, Willem-Alexander und Máxima, besuchen am 11. und 12. Oktober das Saarland, fotografiert am Donnerstag (11.10.2018). Hier die Ankunft vor der Staatskanzlei. FOTO: BeckerBredel

Das niederländische Königspaar, Willem-Alexander und Máxima, besuchen am 11. und 12. Oktober das Saarland.
Das niederländische Königspaar, Willem-Alexander und Máxima, besuchen am 11. und 12. Oktober das Saarland. FOTO: BeckerBredel
Das niederländische Königspaar, Willem-Alexander und Máxima, besuchen am 11. und 12. Oktober das Saarland. Hier am Donnerstag (11.10.2018) der Empfang im Saarbrücker Schloß. Dort tragen sich die Hoheiten ins Gästebuch der Stadt ein und essen mit Wirtschaftsvertretern.
Das niederländische Königspaar, Willem-Alexander und Máxima, besuchen am 11. und 12. Oktober das Saarland. Hier am Donnerstag (11.10.2018) der Empfang im Saarbrücker Schloß. Dort tragen sich die Hoheiten ins Gästebuch der Stadt ein und essen mit Wirtschaftsvertretern. FOTO: BeckerBredel
Niederländisches Königspaar zu Besuch in der Staatskanzlei FOTO: BeckerBredel