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| 21:16 Uhr

SR-Produktion betroffen
Neue Vorwürfe gegen Star-Regisseur Wedel

Regisseur und Festspiel-Intendant Wedel soll in den 80er Jahren  bei Dreharbeiten für den SR Schauspielerinnen sexuell bedrängt haben.
Regisseur und Festspiel-Intendant Wedel soll in den 80er Jahren bei Dreharbeiten für den SR Schauspielerinnen sexuell bedrängt haben. FOTO: Swen Pförtner / dpa
Saarbrücken. Weitere Anschuldigungen von Schauspielerinnen betreffen auch eine Produktion des SR in den 80er Jahren. Intendant Kleist verspricht Transparenz.

(SZ/dpa) Die Vorwürfe gegen Fernseh-Regisseur Dieter Wedel reißen nicht ab. Gestern wurden neue Anschuldigungen gegen den 75-Jährigen laut, die auch eine Produktion des Saarländischen Rundfunks in den 80er Jahren betreffen. Der SR wusste damals offenbar von den Vorwürfen, brach die Dreharbeiten aber dennoch nicht ab.

Einem Dossier-Bericht der „Zeit“ zufolge belasten vier weitere Schauspielerinnen den Regisseur: Von Gewalt ist die Rede, von sexueller Nötigung bis hin zur Vergewaltigung. Demnach soll Wedel die Schweizer Schauspielerin Esther Gemsch während der Dreharbeiten zu der SR-Serie „Bretter, die die Welt bedeuten“ Anfang der 80er Jahre in seinem Hotelzimmer versucht haben zu vergewaltigen. Gemsch berichtete gegenüber der „Zeit“: „Er setzte sich rittlings auf mich, packte meinen Kopf bei den Haaren und schlug ihn immer wieder aufs Bett, einmal auch an die Wand und dann auf die Bettkante.“ Dabei sei sie mit ihrem Halswirbel so hart auf die Bettkante geprallt, dass sie sich nicht mehr habe bewegen können. Außerdem habe ihr Wedel mit einem Schal die Kehle abgeschnürt, so dass sie kaum mehr Luft bekam. Dem Bericht zufolge waren die Verletzungen so gravierend, dass Gemsch den Dreh abbrechen musste. Wedel anzuzeigen habe sie sich aus Angst vor Repressalien und wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht getraut, berichtet Gemsch den Hamburger Journalisten. Ihre Rolle wurde mit der Schauspielerin Ute Christensen neu besetzt. Diese berichtet demnach ebenfalls von Mobbing und Demütigungen, als sie 1981 eine Einladung Wedels auf sein Hotelzimmer ausgeschlagen hatte. Christensen sei damals im zweiten Monat schwanger gewesen. Archiv-Dokumenten zufolge, die dem SR offenbar vorliegen, verlor die Darstellerin kurz darauf infolge eines Nervenzusammenbruchs ihr Kind.

Eine heute 74 Jahre alte Darstellerin erzählte der „Zeit“ anonym, Wedel habe sie 1974 in ein Waldstück gefahren und dort vergewaltigt: „Er hat an meiner Kleidung gezerrt und sich zu mir rübergewälzt, bis sein Körper über meinem war. Irgendwann dachte ich: Der einzige Weg, das zu beenden, liegt darin, meinen Widerstand aufzugeben. Dann ist es schnell vorbei“, heißt es in einem Vorabbericht.

Als Belege führt das Blatt Dokumente aus Archiven an. Auch Aussagen von Freunden und Angehörigen der Frauen sowie Zeugen am Filmset stützten die Angaben, heißt es. Esther Gemsch und Ute Christensen hätten darüber hinaus eidesstattliche Versicherungen abgegeben.

Auf seiner Homepage bezieht der SR selbst Stellung zu den Akten, die von der damals zuständigen und vor rund zehn Jahren aufgelösten Filmproduktionsfirma Telefilm Saar stammten. Sie seien zum Teil unvollständig, so der SR. Es handele sich unter anderem „um anwaltliche Schreiben und um ein ärztliches Attest des mutmaßlichen Opfers“. Der SR habe später von den Vorfällen erfahren, sich aber für eine Fortführung der Produktion mit Wedel entschieden. Da die Fälle inzwischen als verjährt gelten, werden sie wohl nicht mehr vor Gericht landen.

SR-Intendant Thomas Kleist zeigte sich gestern betroffen und kündigte unter anderem im NDR an, er wolle „alles offenlegen, damit wir schonungslos die Dinge untersuchen können“. Er habe das Thema für die nächste Intendantensitzung angemeldet.

Bereits vor drei Wochen hatten drei Frauen Wedel beschuldigt, er habe sie in den 90er Jahren sexuell bedrängt. Wedel hatte diese Vorwürfe per eidesstattlicher Erklärung zurückgewiesen. Wegen eines Falls im Sommer 1996, bei dem Wedel eine der Frauen zum Sex in einem Münchner Hotel gezwungen haben soll, ermittelt die Staatsanwaltschaft München. Am Montag war bekannt geworden, dass Wedel mit Herzbeschwerden im Krankenhaus liegt. Am selben Tag trat er als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück. In einer Stellungnahme sprach er von einer „diffamierenden Diskussion“ um seine Person und kündigte an, sich nicht mehr öffentlich äußern zu wollen. Er verabscheue jede Form von Gewalt gegen Männer und Frauen.