| 21:11 Uhr

Kommentar
Neue Töne aus Ankara

FOTO: Robby Lorenz / SZ

Mit versöhnlichen Signalen beendet Ankara ein schwieriges Jahr in den Beziehungen zu Berlin. Die Haftentlassungen der deutschen Übersetzerin Mesale Tolu und des Menschenrechtlers Peter Steudtner sind bewusste, politische Entscheidungen. Der Staat will Misstrauen abbauen – und sichert der Bundesregierung durch die Freilassungen unausgesprochen zu, dass die Türkei inzwischen bestimmte Grenzen der diplomatischen Auseinandersetzungen anerkennt. Insbesondere die wirtschaftlichen Sanktionen Berlins wie die Deckelung der Hermes-Bürgschaften für Türkei-Geschäfte dürften entscheidend zum Einlenken beigetragen haben. Aber Achtung: Einfacher wird das neue Jahr nicht. Die türkische Regierung ist nach wie vor überzeugt, dass der Westen mutmaßliche Umstürzler schützt und ermuntert. Die Deutschen beklagen die Erosion des Rechtsstaates in der Türkei. Und da ist ja noch der Fall des vorverurteilten, aber ohne Anklage inhaftierten Korrespondeten Deniz Yücel.