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Hunderte Jobs in Saarbrücken gesichert
Neue Halberg Guss durch Verkauf gerettet

Saarbrücken. Die Saarbrücker Gießerei hat einen neuen Eigentümer. Er will alle Mitarbeiter übernehmen. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Das elfmonatige Drama um die Neue Halberg Guss mit ihrem als Heuschrecke verschrienen Eigentümer Prevent ist vorbei. Den Vertrag über den Verkauf der Gießerei „haben wir um fünf vor zwölf unterschrieben – nach 28 Stunden Verhandlung“, sagte gestern Nachmittag Frank Günther, Geschäftsführer von One Square Advisors, auf einer Betriebsversammlung in Saarbrücken-Brebach. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Der Chef des auf Sanierungen spezialisierten Beratungsunternehmens sagte der Belegschaft die Übernahme sämtlicher Mitarbeiter zu. Er bekam in der Brebacher Turnhalle dafür tosenden Applaus. Damit seien auch die von der alten Geschäftsführung gerade angedrohten 228 Kündigungen vom Tisch, sagte Günther. Der Standort Leipzig soll entgegen den Prevent-Plänen erhalten bleiben. In der Prevent-Zeit hatte die Belegschaft um alle Jobs und die Zukunft der Firma gebangt. Nach Angaben von Prevent zählen 1220 Mitarbeiter in Saarbrücken und 580 in Leipzig zur Stammbelegschaft.


Das Unternehmen, das vor allem Motorblöcke für Verbrennungsmotoren gießt, soll auch einen neuen Namen bekommen. Es wird laut Günther eine Dachgesellschaft namens Avir Guss Holding für die beiden Werke gegründet. Sie soll zwei Tochtergesellschaften haben: die Saarbrücker Gusswerke GmbH und die Leipziger Gusswerke GmbH.

Günther gab als Ziel aus, das Unternehmen „nachhaltig wettbewerbsfähig zu machen“. Er stimmte die Belegschaft aber auch auf eine nicht einfache Zukunft ein. Aufträge seien verlorengegangen, die Autokonjunktur sei schwierig. Er schloss auf längere Sicht auch einen Abbau von Stellen nicht aus. Günther sieht auch einen Investitionsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. Die Landesregierung bekräftigte ihre Bereitschaft, den Neustart unter anderem mit Millionenbürgschaften zu unterstützen. Auch der Bund soll dabei mithelfen, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD).