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Revolution am Nil
Die Demonstranten im Sudan hoffen auf ihren Frühling

 Junge Demonstranten in der Hauptstadt Khartum.
Junge Demonstranten in der Hauptstadt Khartum. FOTO: dpa / Uncredited
Khartum. Nach dem Umsturz will die Militärführung einen Kompromiss mit der Opposition. Doch die jungen Leute auf der Straße wünschen sich eine zivile Regierung. Von Anas Badr und Jürgen Bätz (dpa)

Nach dem als „Revolution am Nil“ bezeichneten Umsturz im Sudan ist noch nicht klar, wer dort künftig wirklich die Macht haben wird. Die Führung der Streitkräfte hat Langzeitherrscher Omar al-Baschir abgesetzt und kontrolliert den Sicherheitsapparat. Das Militär scheint jedoch unsicher, wie es politisch weitergehen soll.


Die Demonstranten und die Opposition hingegen sind zuversichtlich. Sie fordern eine zivile Regierung, in der die alten Schergen nichts mehr zu sagen haben. Die Proteste am Wochenende in dem Land im Nordosten Afrikas fanden in ausgelassener, aber entschlossener Stimmung statt. „Die Revolution hat erst begonnen“, skandierten Demonstranten.

Doch in den Reihen der Opposition zeigten sich erstmals Risse: Teile der etablierten Oppositionsparteien schienen gewillt, sich mit dem Militär zu arrangieren. Die Demonstranten und die treibende Kraft hinter den Protesten, das Gewerkschaftsbündnis SPA, wollen hingegen weiter eine rein zivile Regierung. Die Militärführung wiederum hat klargemacht, dass sie die für die Sicherheit entscheidenden Ressorts – das Innen- und Verteidigungsministerium – nicht an Zivilisten übergeben will.



Noch ist unklar, ob es zugunsten der Demonstranten weitergehen wird. Infolge der Massenproteste des sogenannten Arabischen Frühlings wurden 2011 zwar mehrere langjährige Herrscher vertrieben. Doch in Ländern wie Syrien, Libyen oder dem Jemen kam es zu blutigen Bürgerkriegen. Einzig Tunesien leitete weitreichende demokratische Reformen ein, kämpft aber mit wirtschaftlichen Problemen.

Experten warnen, ein großer Konflikt im Sudan könnte die ganze Region destabilisieren. Zudem könnte die Zahl der Migranten, die den Sudan als Transitland nach Libyen und Europa nutzen, dann rasch steigen. Am Wochenende sah es so aus, als trieben die Demonstranten das Militär vor sich her: Am Freitagabend erklärte Militärherrscher Awad Ibn Auf überraschend seinen Rücktritt.

Der frühere Verteidigungsminister galt als langjähriger Weggefährte Al-Baschirs und war von den Demonstranten abgelehnt worden. Am Samstag verkündete sein Nachfolger, der als volksnäher geltende frühere Generalinspekteur Abdel Fattah Burhan, dass der Chef des verhassten Geheimdienstes NISS, Abdallah Gusch, zurückgetreten sei. Viele Demonstranten forderten zudem die Auflösung des Geheimdienstes: dessen Agenten sollen politische Gefangene gefoltert haben.

Die Proteste im Sudan dauern bereits seit Dezember an, wurden aber Anfang April mit dem Beginn einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte in Khartum immer größer. Die Demonstranten stellen einen Querschnitt aller Bevölkerungsgruppen dar, wobei Frauen oft eine führende Rolle spielen. Zum Symbol der Proteste wurde zunächst die 22-jährige Studentin Alaa Salah: Ein Foto zeigt, wie sie auf dem Dach eines Autos steht, Parolen ruft und singt. Videos halten fest, wie sie Sprüche ausruft, auf die die Menge mit dem arabischen Wort für „Revolution“ antwortet.

Die Mehrheit der rund 41 Millionen Sudanesen ist noch jünger als 25. Sie wünschen sich ein Land, in dem sie Arbeit, Einkommen und Würde finden. Unter Al-Baschir war der Sudan jedoch in eine tiefe Wirtschaftskrise geschlittert. 30 Jahre lang war er an der Macht.