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| 20:54 Uhr

Moskau/Berlin
Merkel und Putin suchen einen Ausweg aus der Beziehungskrise

Wladimir Putin und Angela Merkel wird ein eher kühles Verhältnis nachgesagt.
Wladimir Putin und Angela Merkel wird ein eher kühles Verhältnis nachgesagt. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Moskau/Berlin. Es steht nicht gut um das deutsch-russische Verhältnis. Daran will die Bundeskanzlerin arbeiten, wenn sie heute in Sotschi den Kremlchef trifft.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Präsident Wladimir Putin sich heute in Sotschi treffen, haben sie ein ganzes Knäuel von Problemen zu entwirren. Die deutsch-russischen Beziehungen sind so kompliziert wie lange nicht mehr. Gleiches gilt für das Verhältnis Russlands zur EU und zum Westen allgemein. Dabei soll das Gespräch in Putins Residenz über dem subtropischen Badeort am Schwarzen Meer nur anderthalb Stunden dauern. Für Druck, Fortschritte zu erzielen, sorgt ein abwesender Dritter: US-Präsident Donald Trump.

Denn nicht nur das Verhältnis zwischen Moskau und Washington ist vergiftet. Trump hat mit seiner „Amerika zuerst“-Strategie auch die europäischen Verbündeten verunsichert. Er setzt sie wirtschaftlich unter Druck und hat Zweifel am militärischen Schutzschirm der USA für Europa geweckt. Sorgt das für eine Annäherung an den schwierigen, aber berechenbaren Kremlchef? Eine eigenständige EU-Außenpolitik ohne die USA beweise sich in der Kooperation mit Russland und China – so sieht es der Moskauer Experte Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Zeitschrift „Russia in Global Affairs“.

Merkel (63) und Putin (65) kennen sich seit 2005. Ihr Verhältnis gilt als kühl. Doch international haben keine anderen Spitzenpolitiker schon so lange miteinander zu tun. Deshalb geht Berlin davon aus, dass der Abstecher nach Sotschi nicht so schwierig wird wie Merkels Besuch bei Trump.

Die Bundesregierung ärgert sich zwar über russische Hacker-Angriffe und Desinformationskampagnen. Vor den Methoden der sogenannten hybriden Kriegsführung, „insbesondere Russlands“, hat Merkel noch an diesem Mittwoch im Bundestag gewarnt. Doch es gibt auch Anknüpfungspunkte. Deutschland und Russland wollen am Atomabkommen mit dem Iran festhalten, das Trump aufgekündigt hat.

Am grundsätzlichen Konflikt zwischen Deutschland und Russland seit 2014 hat sich nichts geändert. Für die Bundesregierung bedeutet die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland einen Verstoß gegen die europäische Friedensordnung. Dazu kommt der Krieg in der Ostukraine, in dem sich hinter prorussischen Separatisten die geballte russische Militärmacht verbirgt. Mehr als 10 000 Menschen sind dort bislang getötet worden. Deutschland hält deswegen an den EU-Sanktionen gegen Russland fest.

Für Russland ist dagegen unverständlich, dass Deutschland mehr Rücksicht auf die Ukraine und die östlichen EU- und Nato-Partner nimmt als auf gute Beziehungen zu Moskau. Es betrachtet die Ukraine und andere frühere Sowjetrepubliken als seine Einfluss-Sphäre.

Seit 2014 sind die Zeitläufe nur noch komplizierter geworden. Der Zustrom von Flüchtlingen 2015 erschütterte Europa. Der Krieg in Syrien eskalierte. Trump zog ins Weiße Haus ein. Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien haben die westlichen Länder und Russland gegenseitig Dutzende Diplomaten ausgewiesen.

Trotzdem: Wenn Putin, der Ex-Agent mit Einsatzjahren in Dresden, auf ein Land als Bindeglied nach Westen setzt, dann ist es Deutschland. Moskau sei auf Merkel und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron angewiesen, um den Kontakt zur EU nicht zu verlieren, schrieb die Zeitung „Kommersant“. Macron wird kommende Woche beim Wirtschaftsforum in Putins Heimatstadt St. Petersburg erwartet.