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Drei Frauen, drei Männer
Merkel lüftet ihr Personalgeheimnis

Sie bleibt Verteidigungsministerin: Ursula von der Leyen.
Sie bleibt Verteidigungsministerin: Ursula von der Leyen. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Berlin. Drei Frauen, drei Männer und einige Überraschungen: Die Kanzlerin setzt im neuen Kabinett aber auch auf Bewährtes. Von Stefan Vetter

Wer von der CDU wird was in einer neuen GroKo? Von den insgesamt 15 Ministersesseln (einschließlich dem des Kanzleramtschefs) galt es nach dem schwarz-roten Koalitionsvertrag sechs mit Christdemokraten zu besetzen. Nun hat Kanzlerin Angela Merkel das Geheimnis gelüftet. Drei Frauen und drei Männer kommen zum Zuge, unter ihnen auch Merkels konservativer Widersacher Jens Spahn. Nachfolgend ein Überblick über die Personalentscheidungen der CDU-Chefin.


Jens Spahn: Der 37-jährige Münsterländer und derzeitige Finanzstaatssekretär ist als Gesundheitsminister vorgesehen. Für die Nachwuchshoffnung des konservativen Parteiflügels ist das Thema nicht neu. Von 2009 bis 2015 war Spahn gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Er gehörte auch zu den Wegbereitern der schwarz-roten Gesundheitsreform von 2007, welche die Einführung des Gesundheitsfonds vorsah. Mit der Personalie hofft Merkel ihre konservativen Kritiker in der CDU ruhig zu stellen. Spahn hatte vor allem die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin in Zweifel gezogen. Auch demonstrierte er öffentlich Sympathie für Österreichs jungkonservativen Kanzler Sebastian Kurz, der ebenfalls einen Anti-Merkel-Kurs in der Migrationsfrage fährt.

Julia Klöckner: Die 45-jährige Rheinland-Pfälzerin stammt aus einer Winzerfamilie und ist ebenfalls neu im Bundeskabinett. Klöckner übernimmt das Landwirtschaftsministerium. Bereits zwischen 2009 und 2011 war Klöckner dort Parlamentarische Staatssekretärin. Auch sie war mit Merkel in der Flüchtlingsfrage nicht immer ein Herz und eine Seele. So legte sie vor zwei Jahren ein Konzept zur Begrenzung der Flüchtlingszahlen vor, was als Kritik an Merkels damaligen Vorstellungen für eine europäische Lösung der Krise aufgefasst wurde. Als CDU-Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz agierte sie allerdings glücklos und verlor dort 2011 und 2016 die Landtagswahlen. Dennoch gehört Klöckner zu den jungen Talenten der CDU.



Peter Altmaier: Der 59-jährgie Saarländer zählt zu den engsten Vertrauten Merkels und ist gewissermaßen ihre Allzweckwaffe. Altmaier war bereits Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion und Bundesumweltminister, bevor er Chef des Bundeskanzleramtes wurde. Hätte die Union das Finanzministerium im Zuge der Koalitionsverhandlungen nicht der SPD überlassen müssen, wäre Altmaier dort wohl Hausherr geworden. Zuletzt hatte er den Posten geschäftsführend inne. Nun soll Altmaier Wirtschaftsminister werden und das Profil der Union auf diesem Feld wieder schärfen. Immerhin gab es seit 1966 keinen Bundeswirtschaftsminister mit CDU-Parteibuch mehr.

Ursula von der Leyen: Auch die 59-jährige Niedersächsin und Mutter von sieben Kindern fand politisch schon eine vielfältige Verwendung. Seit 2005, dem Beginn von Merkels Kanzlerschaft, diente sie als Familien-, dann als Arbeits- und schließlich als Verteidigungsministerin. Diesen Posten soll von der Leyen nun auch für weitere vier Jahre behalten. Einst sogar als Merkels Kronprinzessin gehandelt, ist von der Leyen jedoch nicht sonderlich beliebt in der CDU. Ihr Verteidigungsressort ist ständig in den Negativ-Schlagzeilen. Wohl auch deshalb hat sich kein anderer um diesen Schleuderposten gerissen.

Helge Braun: Der 45-jährige Hesse ist bereits Staatsminister im Kanzleramt und dort für Bürokratieabbau, Bund-Länder-Beziehungen und Flüchtlingsfragen zuständig. Braun gehört damit zum engsten Kreis in Merkels Machtgefüge. Seine Beförderung auf den Chefsessel des Kanzleramts ist so gesehen keine größere Überraschung. Der Nachfolger von Altmaier wird auch in der SPD geschätzt.

Anja Karliczek: Über die Besetzung an der Spitze des Bildungsministeriums gab es praktisch noch bis gestern Nachtmittag großes Rätselraten. Dann stand fest: Die bislang wenig bekannte 46-jährige Anja Karliczek aus Nordrhein-Westfalen machte das Rennen, nachdem zwischenzeitlich schon Gesundheitsminister Hermann Gröhe für den Posten im Gespräch war. Karliczek ist seit 2013 im Bundestag und eine von drei Parlamentarischen Geschäftsführern der Unionsfraktion. Sie tritt die Nachfolge von Johanna Wanka an, die schon im vergangenen September ihren Verzicht auf eine weitere Amtsperiode deutlich gemacht hatte.

Ob die genannten Personen am Ende tatsächlich Minister werden, hängt allerdings noch von der SPD-Basis ab. Am kommenden Sonntag soll das Ergebnis ihrer Abstimmung über Sein oder Nichtsein der GroKo feststehen.

Er gilt als CDU-Nachwuchshoffnung und harter Merkel-Kritiker. Künftig darf sich Jens Spahn auch Gesundheitsminister nennen. Schlägt er jetzt leisere Töne gegen die Parteichefin an?
Er gilt als CDU-Nachwuchshoffnung und harter Merkel-Kritiker. Künftig darf sich Jens Spahn auch Gesundheitsminister nennen. Schlägt er jetzt leisere Töne gegen die Parteichefin an? FOTO: dpa / Christoph Schmidt