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Folgen der Reform
Mehr Pflegebedürftige – Beiträge müssen steigen

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(Symbolbild) FOTO: dpa / Oliver Berg
Berlin. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt rapide. Die Kassen brauchen mehr Geld. Von SZ und dpa

 Die Bundesbürger müssen sich auf höhere Pflegebeiträge einstellen – und zwar auf mindestens 0,2 Prozentpunkte mehr im kommenden Jahr. Bei einem Einkommen von 3000 Euro entspricht das 6 Euro mehr im Monat. Das stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gestern in Aussicht. Grund ist, dass die Pflegeversicherung immer mehr Geld ausschüttet, auch wegen der Pflegereform der vergangenen Wahlperiode. Die Pflegekassen erwarten bis Jahresende Mehrausgaben von zwei Milliarden Euro und ein höheres Defizit von insgesamt drei Milliarden. Der Beitragssatz liegt aktuell bei 2,55 Prozent des Bruttoeinkommens, bei Kinderlosen bei 2,8 Prozent.


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Seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 haben sich die Ausgaben bis 2016 auf 29,71 Milliarden Euro nahezu versechsfacht, nicht zuletzt wegen des Älterwerdens der Gesellschaft. Seither sind die Zahl der Empfänger von Leistungen und deren Höhe noch einmal stark gestiegen. Das auch deshalb, weil mit der Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade Anfang 2017 deutlich mehr Menschen Geld aus der Pflegekasse bekommen – vor allem Demenzkranke. Ende 2016 gab es noch 2,95 Millionen Pflegebedürftige mit entsprechenden Leistungen, bis Ende 2018 rechnet der Kassen-Spitzenverband mit rund 3,46 Millionen Empfängern.



Bei der in Aussicht stehenden Beitrags-Erhöhung sind Reformen, die Union und SPD geplant haben, noch nicht eingepreist. So will Spahn  mit einem Sofortprogramm mindestens 13 000 Stellen in der Pflege zusätzlich schaffen. Der neue Pflegebeauftragte Andreas Westerfellhaus schlug zudem Prämien für Pflegefachkräfte vor, die in ihren Beruf zurückkehren oder statt Teilzeit mehr arbeiten.