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| 20:31 Uhr

Maschinenpistolen am Urlauberstrand

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen auch an den Küsten Südfrankreichs: Polizisten patrouillieren am Strand von Cannes. Foto: Nogier/dpa
Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen auch an den Küsten Südfrankreichs: Polizisten patrouillieren am Strand von Cannes. Foto: Nogier/dpa FOTO: Nogier/dpa
Paris. Patrouillen am Strand, Taschenkontrollen vor Kaufhäusern, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen: Nach den Terroranschlägen steht Frankreich unter Spannung. Viele Touristen schreckt das ab. afp-Mitarbeiterin Stephanie Lob

Wenn schwerbewaffnete Sicherheitskräfte an der Strandpromenade auftauchen, kann das die Urlaubsfreude massiv trüben. So geschehen in Soulac-sur-Mer. In der Nähe des Badeorts an der französischen Atlantikküste verbringt Regine Igwe aus Dortmund wie jedes Jahr mit ihrer Familie die Ferien auf einem Campingplatz. Aber anders als sonst patrouillieren in Soulac in diesem Sommer Sicherheitskräfte mit Maschinenpiatolen - zum Schutz der Touristen .

"Meine Kinder hat die Anwesenheit des Militärs eher verunsichert", sagt Igwe. "Sie haben sich gefragt, warum die ausgerechnet hier rumlaufen, in der tiefsten Provinz." In ganz Frankreich sind diese Strand-Patrouillen ein Novum: Die Regierung hat nach den Anschlägen von Paris und Nizza Hunderte Polizisten und Spezialkräfte der Armee mobilisiert, um die Strände zu sichern. Um eine Panik unter den Badegästen zu verhindern, wurden sie angewiesen, ihre Waffen zumindest am Strand zu verbergen. "Wir werden alles tun, um den Schutz unserer Bürger wie auch der Touristen zu gewährleisten", erklärte Staatschef François Hollande zum Beginn der Sommerferien. Noch martialischer äußerte sich Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian: "Wir sind in einer Kriegs-Situation."

In Frankreich gilt bereits seit den Attentaten vom November in Paris mit 130 Toten der Ausnahmezustand, der den Behörden zahlreiche Sonderbefugnisse gibt - wie Durchsuchungen und Hausarreste ohne richterliche Erlaubnis. Das französische Kabinett hat den Ausnahmezustand nach dem Anschlag von Nizza mit 84 Toten für weitere sechs Monate bis Ende Januar verlängert. Eigentlich sollte er kurz vor den Sommerferien auslaufen, als Zeichen der Entspannung für das terrorgeplagte Land. Stattdessen: Patrouillen am Strand, Taschenkontrollen vor Kaufhäusern, zusätzliche Sicherheitsvorrichtungen an Bahnhöfen und Flughäfen.

All das erinnert manche Touristen an Israel und schreckt vor allem Asiaten und Amerikaner ab, die sonst in Frankreich Urlaub machen. Die französische Hotelbranche erwartet in dieser Saison in Städten wie Nizza oder Paris einen Buchungsrückgang von bis zu 25 Prozent. Auch Europäer weichen auf andere Urlaubsziele aus, vor allem Spanien und Portugal verzeichnen deutliche Zuwächse. Die Bundesbürger lassen sich ihren Frankreich-Urlaub dagegen nach Einschätzung von Thomas Schmidt nicht dauerhaft vermiesen. "Nach unserer Erfahrung haben die Deutschen ein kurzes Gedächtnis", sagt der Pressesprecher von Atout France, der französischen Zentrale für Tourismus, in Frankfurt. Auch eine Sprecherin des größten deutschen Reiseanbieters Tui teilt mit: "Unsere Frankreichbuchungen sind nach dem Anschlag in Nizza stabil geblieben."

Die französischen Behörden dagegen sind nervös. Das verdeutlicht auch die Serie von Freiluftveranstaltungen, die abgesagt worden sind. Zu großes Risiko, zu geringe Sicherheitsvorkehrungen, lautet das immer gleiche Argument. Traditionelles Sommer-Feuerwerk in Cannes: gestrichen. Flugschau in Marseille: ausgefallen. Freiluftkino und Basketballturnier in Paris : abgesagt.

In der Hauptstadt hat Bürgermeisterin Anne Hidalgo immerhin darauf bestanden, die Sommerattraktion "Paris Plages" trotz der allgegenwärtigen Terrorwarnungen beizubehalten. Am Seine-Ufer rekeln sich Einheimische und Touristen in Liegestühlen, Kinder bauen Burgen im aufgeschütteten Sand oder spielen Tischfußball. "Wenn man morgens beim Aufstehen schon Angst hat, haben die Terroristen gewonnen", sagt Aurélien Paccard, der sich unter einem Wasserzerstäuber abkühlt. "Paris Plages ist großartig", sagt auch die deutsche Touristin Barbara Elsebach. "Was in Nizza passiert ist, kann überall passieren. Das hält mich nicht davon ab, meinen Urlaub in Frankreich zu genießen."