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Manning ist lediglich ein Spion

Fort Meade. Bradley Manning fiel sichtlich ein Stein vom Herzen. Ein Militärgericht hat den Wikileaks-Informanten gestern vom Vorwurf der Zusammenarbeit mit dem Feind freigesprochen, verurteilte ihn aber wegen Spionage. Von SZ-KorrespondentThomas Spang

Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform Wikileaks von teils streng geheimen US-Militärdokumenten sorgten 2010 weltweit für Schlagzeilen. Der US-Soldat Bradley Manning hat nach eigenem Geständnis die Informationen geliefert. Ein Rückblick:

April 2010: Wikileaks veröffentlicht ein Militärvideo, das zeigt, wie bei einem US-Hubschrauberangriff im Irak rund ein Dutzend Zivilisten getötet werden. Das Video wurde Wikileaks von Bradley Manning zugespielt. Auch weitere, im Laufe des Jahres von der Internet-Plattform veröffentlichte US-Militärdokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie vertrauliche Diplomatendepeschen sollen von dem US-Soldaten stammen.

Mai 2010: Manning wird im Irak festgenommen. Der Obergefreite wird zunächst zwei Monate in Kuwait festgehalten. Dann sitzt er bis April 2011 im Militärgefängnis Quantico im US-Staat Virginia in Einzelhaft, bevor er unter etwas gelockerten Haftbedingungen in ein Gefängnis in Kansas verlegt wird.

Dezember 2011: Die juristische Aufarbeitung beginnt mit einer Anhörung. Dem früheren Geheimdienst-Analysten wird vorgeworfen, während seiner Stationierung im Irak Wikileaks massenhaft Dokumente zur Veröffentlichung zugespielt zu haben.

Februar 2012: Die US-Armee teilt mit, dass Bradley Manning wegen "Unterstützung des Feindes" vor ein Militärgericht kommt.

Juni 2013: Der Prozess gegen Manning beginnt.


Zum Thema:

Zur PersonDer US-Obergefreite Bradley Manning diente als Geheimdienst-Analyst in der US-Armee. Aufgewachsen ist er in einer Kleinstadt in Oklahoma. Nach der Scheidung der Eltern zog er zeitweise mit seiner Mutter nach Großbritannien. Nach der Schule kehrte er in die USA zurück, wo er sich zunächst mit Nebenjobs über Wasser hielt, ehe er in die Armee eintrat. 2009 kam er mit seiner Truppe in den Irak.Während seiner Haft in den USA hat er sich über unwürdige Bedingungen beklagt. Zeitweise sei er gezwungen worden, sich jeden Abend vor den Wärtern nackt auszuziehen. dpa