| 20:34 Uhr

„Man soll den Wald auch nicht zu Tode lieben“

Der Wald ist deutscher Mythos. Doch Philipp Franz zu Guttenberg, Bruder des früheren Verteidigungsministers, warnt vor allzu viel Romantik. Mit dem Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände sprach unser Berliner Korrespondent Werner Kolhoff.

Ist der deutsche Wald gesund?

Guttenberg: Laut der jüngsten Bundeswaldinventur ist er so ökologisch und forstwirtschaftlich produktiv wie nie zuvor in der modernen Zeit. Es gibt aber neue Herausforderungen, allen voran der Klimawandel.

Ist der schon spürbar?

Guttenberg: Ja. Wir haben mehr Orkane, mehr Trockenheit, mehr Schädlinge und mehr Waldbrände als früher.

Welche Konsequenzen hat die erhöhte Waldbrandgefahr?

Guttenberg: Die meisten Brände gehen auf unvorsichtiges Verhalten der Waldbesucher zurück, sei es, dass geraucht oder Feuer gemacht oder Müll im Wald deponiert wird. Hier würden wir uns natürlich ein verantwortungsbewussteres Verhalten wünschen.

Werden wegen des Klimawandels künftig andere Bäume in Deutschland angepflanzt werden als jetzt?

Guttenberg: Sicher werden wir auf eine breitere Palette von Baumarten zurückgreifen müssen, weil viele unserer bisherigen Baumarten den neuen Standortbedingungen nicht gewachsen sind. Bereits jetzt haben wir durch Trockenheit und Schädlingsbefall teilweise große Schäden - nicht nur bei der Fichte, auch bei der Buche und Eiche. Wir werden also vermehrt auf klimatolerante Baumarten wie die Douglasie, die Roteiche oder die Küstentanne ausweichen müssen.

In Deutschland fallen jeden Tag weiterhin 80 Hektar Wald der Besiedlung zum Opfer. Wie sehr macht Ihnen das Sorgen?

Guttenberg: Das ist ein großes Problem. De facto sind es sogar 160 Hektar pro Tag, weil für jede versiegelte Fläche Ausgleichsflächen benötigt werden, die dann der Waldbewirtschaftung fehlen. Das führt dazu, dass wir auf Holzimporte aus Ländern mit geringen Nachhaltigkeitskriterien zurückgreifen müssen, weil es in Deutschland nicht mehr genug forstwirtschaftlich genutzte Flächen gibt.

Brauchen wir in Deutschland nicht mehr natürlichen Wald?

Guttenberg: Ganz eindeutig nein. Wir sind mit unserer nachhaltigen Forstwirtschaft schon weltweit vorbildlich. Nirgendwo werden die Funktionen Naturschutz und rücksichtsvolle Bewirtschaftung so integriert wie hier. Mehr natürlicher Wald würde nur den Druck auf andere Länder erhöhen, weil die Nachfrage nach Holz nicht nachlässt. Wir würden nur Umweltprobleme exportieren. Zugleich hätte das eklatante Auswirkungen auf Arbeitsplätze und die Stabilität des ländlichen Raumes.

Gehen die Deutschen mit dem Wald eigentlich gut um?

Guttenberg: Die zunehmend urban geprägte Gesellschaft entfernt sich immer mehr vom ländlichen Raum. Das spüren auch wir deutlich. Es gibt einen verklärten Blick auf den Wald. Die Realität, dass er bewirtschaftet wird und werden muss, wird ausgeblendet oder gar abgelehnt. Über 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leben aber vom Wald. Wir freuen uns über das Interesse am Wald, aber man sollte ihn auch nicht zu Tode lieben.

Das ganze Interview lesen Sie unter www.saarbruecker-zeitung.de/berliner-buero