| 21:17 Uhr

Interview
„Man kann auch sitzend Mittagsschlaf machen“

Dr. Philipp Lepper
Dr. Philipp Lepper FOTO: Uniklinik
Der Leitende Oberarzt am Schlaflabor der Uniklinik Homburg weiß, was man in schlaflosen Nächten am besten tun sollte – und was lieber nicht. Von Lisa Kutteruf

Herr Dr. Lepper, was kann man tun, wenn man nicht einschlafen kann?


PHILIPP LEPPER: Nichts wie raus aus dem Bett! Man sollte das Schlafzimmer verlassen und in einen anderen Raum gehen, zum Beispiel ins Wohnzimmer. Dort kann man, wenn man mag, noch ein bisschen lesen. Allerdings sollte man kein zu helles Licht mehr anmachen – Helligkeit hemmt die Produktion der Botenstoffe, die uns müde machen. Was nichts bringt, ist, im Bett liegen zu bleiben und ständig auf die Uhr zu gucken. Das Bett sollte der Ort bleiben, an dem man tatsächlich nur schläft.

Welche Tipps haben Sie für diejenigen, die häufig Probleme mit dem Einschlafen haben?



LEPPER: Man sollte vermeiden, abends zu lange vor PC, Fernseher oder Smartphone zu sitzen. Die Monitore senden Licht im blauen Bereich aus, das aktivierend auf den Körper wirkt. Am besten man stellt die Geräte mindestens eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen ab. Wer zu später Stunde unbedingt noch sein Tablet nutzen möchte, sollte die Nachtfunktion aktivieren, die viele Geräte inzwischen haben. Sofern man kann, sollte man sich eine gewisse Regelmäßigkeit antrainieren und sich zum Beispiel vornehmen, immer um 22.30 Uhr ins Bett zu gehen. Rituale sind gut, wie etwa: Um 22 Uhr mach ich den Fernseher aus, dann les ich noch eine halbe Stunde. Kurz vor dem Schlafengehen noch viel zu essen, ist keine gute Idee. Außerdem sollte es nicht zu warm im Schlafzimmer sein. Ideal sind 18 bis 20 Grad. Das ist jetzt im Sommer natürlich schwierig.

Was halten Sie von einem Glas Wein vor dem Einschlafen?

LEPPER: Klar kann man das mal machen. Generell ist Alkohol aber nicht zu empfehlen. Er macht zwar müde, hat in der Regel aber auch ein verändertes Schlafmuster zur Folge. Alkohol gehört zu den Einflüssen, die den normalen Ablauf der Hirnaktivitäten im Schlaf stören.

Inwiefern wirkt sich Lärm auf den Schlaf aus?

LEPPER: Lärmquellen sind ungünstig. Wir leben ja in für den Schlaf sehr glorreichen, ruhigen Zeiten. Früher war es nötig, dass die Menschen aufschreckten, wenn sich zum Beispiel ein wildes Tier genähert hat. Der Körper ist deshalb ständig in einer Art Bereitschaft, auf Umweltreize zu reagieren. Man hat festgestellt, dass sich selbst kleine Reize auf die Hirnstromkurve auswirken. Lärm ist also nicht gut für den Schlaf – selbst dann, wenn wir nicht davon aufwachen.

In China ist ein Nickerchen in der Mittagspause nichts Ungewöhnliches. Wäre es gut, wenn sich dieser Trend auch in Deutschland etablieren würde?

LEPPER: Ich fände das gut. Allerdings gibt es Spielregeln für Nickerchen: Sie müssen kurz sein, möglichst nicht länger als 20 Minuten und sie müssen zu einer festgelegten Uhrzeit stattfinden. Schlecht ist, mittags zwei Stunden zu schlafen. Dann geht man abends später ins Bett, das bringt den ganzen Rhythmus durcheinander. Man kann übrigens auch sitzend Mittagsschlaf machen. Am besten nimmt man einen Schlüsselbund in die Hand. Bevor man in den Tiefschlaf kommt, fallen die Schlüssel auf den Boden. Dann hat man genug gedöst.

Die Fragen stellte Lisa Kutteruf.