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| 20:16 Uhr

Malis steiniger Weg zur Normalität

Bamako/Accra. Die Islamisten in Mali haben die wichtigsten Städte im Norden des Landes verloren. Dennoch stehen die alliierten afrikanischen und französischen Truppen noch vor gewaltigen Aufgaben. Ein langer Weg ist es vor allem bis zur Verwirklichung der Vision, dass allein afrikanische Truppen für die Stabilität des Landes sorgen Von dpa-Mitarbeiterin Eszter Farkas

Bamako/Accra. Die Islamisten in Mali haben die wichtigsten Städte im Norden des Landes verloren. Dennoch stehen die alliierten afrikanischen und französischen Truppen noch vor gewaltigen Aufgaben. Ein langer Weg ist es vor allem bis zur Verwirklichung der Vision, dass allein afrikanische Truppen für die Stabilität des Landes sorgen. Derzeit ruht fast alles auf den Schultern der französischen Militärs, die von einer fragilen Streitmacht Malis unterstützt werden.

Noch hat die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas nicht viel mehr als 1300 Mann im Land. Die Regionalorganisation will zwar nun statt der zunächst angekündigten 3300 Mann insgesamt 5700 Soldaten nach Mali schicken - aber die westafrikanischen Staaten haben viele Probleme, von mangelhafter Ausrüstung der Truppen bis hin zu Transportschwierigkeiten. Oft fehlt es schlicht an Geld. Die Hoffnungen der Afrikaner ruhen auf der Geberkonferenz in Addis Abeba, die heute über massive Hilfen entscheiden soll.

Zumindest sind die Rebellen aus den nordmalischen Metropolen weitgehend vertrieben. Die Islamisten sind in alle Himmelsrichtungen verstreut: Manche seien nach Norden in die Region von Kidal geflohen, wo die letzte große Bastion der Islamisten heftigen Luftangriffen ausgesetzt ist. Andere Rebellen hätten sich in den Südwesten abgesetzt, sagte Militärsprecher Modibo Traoré Nama in Bamako.

Nach den jüngsten Erfolgen wird es laut malischer Militärs die wichtigste Aufgabe sein, den Norden endgültig von etwa 3000 Rebellen zu befreien. "Auch wenn die meisten Islamisten aus Gao und Timbuktu abgezogen sind, haben selbst hier einige Rebellen einen privaten Unterschlupf gefunden", sagt Armeesprecher Kapitän Modibo Traoré Nama. Der Ecowas-Vertreter in Mali, Aboudou Toure Cheaka, erläutert: "Wir versuchen, in besonders gefährdeten Stadtteilen die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken und mit Hilfe der Bürger Fremde zu identifizieren." Es müsse auch alles getan werden, um Racheakte der lokalen Bevölkerung und der Armee zu verhindern. Menschenrechtsorganisationen hatten vergangene Woche malische Soldaten schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. Auf ihrem Vormarsch hätten sie zahlreiche Verdächtige umgebracht, berichtete die Internationale Vereinigung für Menschenrechte, FIDH. Die Opfer seien zum Beispiel verdächtigt worden, die Islamisten zu unterstützen oder Waffen zu besitzen. Ecowas-Vertreter Cheaka sagt: "Die internationale Militäroperation hat zwei zentrale Ziele. Zum einen geht es um die Befreiung der Städte von Islamisten. Zudem müssen wir die Regierung Malis zu Wahlen drängen, damit eine demokratisch legitimierte Regierung die Schlacht gegen Rebellen und Drogenhändler erfolgreich zu Ende führen kann."

Auch wenn die Städte wieder fest in der Hand der Zentralregierung wären, sehen Experten die von Extremisten ausgehende Gefahr noch lange nicht gebannt. "Es müssen auch jene Bürger erreicht und wieder in die Gesellschaft integriert werden, die in die Rebellion mit hineingezogen worden sind", sagt Paul Melly vom Politikinstitut Chatham House in London.

Armeesprecher Nama erläutert, eine weitere Herausforderung sei die Rekrutierung, Ausbildung und Bewaffnung der notorisch schlecht ausgerüsteten Armee Malis. Vielen Einheiten fehlten Soldaten, die zu den Rebellen übergelaufen seien. "Dafür brauchen wir Ersatz." In Mali sind die Militärs zuversichtlich, dass der Kampf gegen die Extremisten in wenigen Monaten beendet werden kann. "Der Wiederaufbau aber wird länger dauern, sechs Monate, ein Jahr, wir wissen es nicht", sagt Ecowas-Vertreter Cheaka. Einige westliche Experten halten auch diese Prognosen für sehr optimistisch.

Hintergrund

Der Name Timbuktu steht für einen Ort am Ende der Welt. Doch die Stadt im Norden von Mali war im 15. und 16. Jahrhundert ein Zentrum des Karawanen-Handels, der durch die Sahara führte. Und sie galt als eine Blüte der Gelehrsamkeit. Die Universität mit 20 000 Studenten war weit über die islamische Welt berühmt. Die Bibliothek von Timbuktu umfasst Handschriften der größten Gelehrten der damaligen Zeit. Zu den Schätzen gehören Werke über Astronomie, Pflanzenmedizin, Philosophie, Poesie, Mathematik, Musik und islamisches Recht. Die UN-Kulturorganisation bemühte sich seit 1967, die Schriften zu sichern. Seit 1988 gehört Timbuktu zum Unesco-Weltkulturerbe. Nun wird befürchtet, dass die Islamisten, die Timbuktu besetzt hatten, einen Teil der unersetzbaren Dokumente verbrannt haben.

Im Jahr 2009 zählte die Stadt offiziell fast 250 000 Einwohner, doch viele verließen sie nach der Übernahme durch die Islamisten. epd/afp