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Der junge Hoffnungsträger in Italien
Luigi Di Maio, der Softie an der Spitze der Fünf-Sterne-Polterer

Rom. Der smarte 31-jährige Spitzenkandidat holte mit der populistischen Protest-Partei den Wahlsieg in Italien. Doch wofür er eigentlich steht, ist vielen unklar. Von Annette Reuther

Sanft, so kommt Luigi Di Maio herüber. Statt lautstarker Parolen tritt er nach dem Wahl-Triumph eher leise auf. Bloß sieben Minuten dauert seine Ansprache. Den Spitzenkandidaten einer Protest- oder Populistenpartei stellt man sich irgendwie anders vor. Luigi Di Maio ist eher der Typ netter Schwiegersohn: Adretter Anzug und Krawatte, weiße Zähne, schwarzes Haar. Mit nur 31 Jahren hat er bei der Parlamentswahl in Italien die Fünf-Sterne-Protestbewegung zur stärksten Partei gemacht. Als jüngster Ministerpräsident in der Geschichte des Landes will er in den Regierungspalast einziehen. Und das, obwohl viele Wähler ihn für einen Mann mit unklarem Profil hielten.


Ihm steht nun die schwierige Aufgabe bevor, die als Oppositionsbewegung gegründete Partei im komplizierten italienischen Polit-Poker auf Mainstream-Kurs zu bringen. Di Maio ist das komplette Gegenteil des Parteigründers und Kabarettisten Beppe Grillo. Moderat und nicht auf Krawall gebürstet. Grillo hatte einst erklärt, das große „V“ im italienischen Originalnamen MoVimento5Stelle steht für „Vaffanculo“ – „Leck mich am Arsch“. Doch Fluchen ist Di Maios Sache nicht. „Bei uns ist kein Platz für Leute, die Hassreden, eine rassistische, homophobe oder vorverurteilende Sprache benutzen“, sagte er einmal.

Di Maio hat als Studienabbrecher mit Erfahrungen als Kellner und Steward im Fußballstadion eine typische Sterne-Karriere hingelegt: ungewöhnlich und wenig politisch. Gerne von seinen Gegnern wegen grammatikalischer Fehler hochgenommen, gelang ihm so der Aufstieg in der Anti-Establishment-Partei. Dennoch hielt sich der Vorwurf, dass er nur als Grillos „Marionette“ vorgeschickt wurde und nicht das nötige Gewicht für das Amt eines Partei- und gar Regierungschefs hat.



2013 kam er ins Parlament und wurde zum Vize-Präsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt, der jüngste in der Geschichte der Republik. International leistete sich der Jungspund einen Fehltritt, als er Pinochet als Diktator Venezuelas statt Chiles bezeichnete. Im Wahlkampf versuchte die Partei – die sich traditionell weder als links noch rechts positioniert – auch konservativere Wähler zu erreichen. Di Maio, aufgewachsen in Neapels Vorort Pomigliano d’Arco, verkörpert diesen Wandel der Partei. Vor Unternehmern sagte er zuletzt, dass die Fünf-Sterne-Bewegung nicht länger „populistisch“ sei. Von einem Referendum über einen Verbleib Italiens in der Eurozone, eigentlich immer Versprechen der Sterne, rückte er ab.

Zwar sitzen die Sterne im Europaparlament mit Parteien wie der AfD in einer Fraktion. Allerdings sagte Di Maio sagte einmal, von der Alternative für Deutschland und fremdenfeindlichen Parteien sei man „Lichtjahre“ entfernt. Zu seinen politischen Vorbildern zählte er den als wenig aufregend geltenden spanischen Regierungschef Mariano Rajoy. Und in einem Interview bekannte der 31-Jährige, dass seine Eltern hohe Erwartungen an ihn hatten, er aber „nicht besonders charismatisch“ gewesen sei.