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Finanzaffäre beim Landessportverband
Sanierer des Saar-Sports auf Tauchstation

Der LSVS kämpft mit finanziellen Problemen. Die Turnhalle an der Hermann-Neuberger-Sportschule wird deshalb vorerst nicht – wie geplant – saniert.
Der LSVS kämpft mit finanziellen Problemen. Die Turnhalle an der Hermann-Neuberger-Sportschule wird deshalb vorerst nicht – wie geplant – saniert. FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. Neues im Finanzskandal: Eine Vorstandssitzung beim Landessportverband ist auf „unbestimmte Zeit“ abgesagt. Und der Staatsanwalt fragt Zeugen nun angeblich auch nach ihrem Parteibuch. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Seit zweieinhalb Wochen hat der Völklinger Fachanwalt für Insolvenzrecht Michael Blank beim krisengeschüttelten Landessportverband (LSVS), zu dem auch die Landessportschule zählt, das Sagen. Als „Konsolidierungsberater“ ist Blank „weisungs- und handlungsbefugt“. So hat es die Rechtsaufsicht beim Innen- und Sportministerium von der LSVS-Spitze um Präsident Klaus Meiser (CDU) verlangt. Die Rechtsaufsicht selbst hat bekanntlich mit dem Saarbrücker Rechtsanwalt Günter Staab einen anerkannten Sanierungsexperten verpflichtet. Ihm und dem Ministerium muss Blank unmittelbar berichten. Immerhin ist der finanziell stark angeschlagene Sportverband eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, was bedeutet: Im schlimmsten Fall einer Pleite müsste der Staat und damit der Steuerzahler die Zeche zahlen.


Was ist der aktuelle Stand der Dinge beim LSVS? Wie groß ist das Loch in der Kasse? Sanierer Blank bleibt auf diese und weitere Fragen Antworten bislang schuldig. Auf eine Anfrage unserer Zeitung teilt der wortkarge Jurist kurz und knapp mit: „Wie bereits angekündigt, werde ich mich zu gegebener Zeit äußern. Ich bitte um Ihr Verständnis.“ Der Mann, der beim Dachverband des Saarsports die Finanzen wieder in geordnete Bahnen bringen soll, geht also auf Tauchstation, wohlwissend, dass er damit Spekulationen Tür und Tor öffnet.

Eine Aufgabe, die „Konsolidierungsberater“ Blank zu erledigen hat, ist, einen Liquiditätsplan und einen ausgeglichenen Etat für das Jahr 2018 vorzulegen. Als interne Frist dafür war ursprünglich mal der Monat April genannt. Doch dieses Ziel scheint nicht mehr realistisch. Der Haushalt muss nach der Satzung offiziell vom Präsidium, das im Visier der Staatsanwaltschaft steht, dem kompletten LSVS-Vorstand zur Beschlussfassung präsentiert werden. Der Vorstand, in dem Vertreter der einzelnen Sportverbände sitzen, sollte sich am 19. April treffen. Daraus wird aber wohl nichts. Unserer Zeitung liegt ein von Hauptgeschäftsführerin Karin Becker und „Konsolidierungsberater“ Blank unterschriebener Brief vor, der diese Woche den Vorstandsmitgliedern ins Haus flatterte.

Der kurze Text im Wortlaut: „.♦.♦.♦der neue Konsolidierungsberater, Herr Rechtsanwalt Michael J. W. Blank, hat mit seinem Team die Arbeit aufgenommen. Da schon jetzt abzusehen ist, dass die Vorbereitungen längere Zeit in Anspruch nehmen werden, wird die für Donnerstag, 19. 04. 2018, geplante Vorstandssitzung auf unbestimmte Zeit verschoben. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Sanierer Blank setzt offenbar auf Gründlichkeit statt Schnelligkeit. Aber selbst dazu schweigt er. Dabei könnte doch ein erstes Zwischenfazit seines Wirkens beim LSVS vielleicht einige aufgebrachte Gemüter beruhigen. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es zumindest keine neuen Hiobsbotschaften. Der Verband mit rund 100 Mitarbeitern ist, so heißt es, zahlungsfähig. Die Liquidität sei vorerst bis Ende Juni gesichert. Dann wird wieder eine Rate von mehr als einer Viertelmillion Euro für Tilgung und Zinsen eines großen Darlehens fällig. Auch die „echten Verluste“, die der LSVS auf das Geschäftsjahr bezogen schreibt, fallen offenbar etwas niedriger aus, als die früher genannten rund zwei Millionen Euro. Jetzt ist von strukturellen Verlusten in Höhe von 1,7 Millionen Euro die Rede. Bilanzielle Abschreibungen werden zudem auf 1,3 Millionen Euro beziffert. Die Marschrichtung für Konsolidierer Blank ist angeblich: „Der LSVS muss sich aus eigener Kraft sanieren.“ Im Klartext: Alle Sach- und Personalkosten müssen auf den Prüfstand. Dies gilt wohl insbesondere für die Landessportschule, die dem Verband lieb und sehr teuer ist und satte Verluste bringt.



In etwa drei Wochen wird Blank ein zumindest vorläufiges Konzept liefern müssen, dann trifft sich nach SZ-Informationen ein von der großen Koalition installierter „kleiner Krisenstab LSVS“, dem neben den Fraktionschefs Alexander Funk (CDU) und Stefan Pauluhn (SPD) noch Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) und Innenstaatssekretär Christian Seel (CDU) sowie die Berater angehören. Für Gesprächsstoff ist in dieser Runde sicherlich gesorgt, zumal ein Untersuchungsausschuss des Landtages in die Hintergründe der Finanzaffäre samt Ursachenforschung einsteigen wird. Zu diesem Termin liegen dann vielleicht auch erste Bestätigungen der Vereine vor, die zur Förderung des Ehrenamtes von LSVS-Präsident Meiser und anderen Politikern in den Jahren 2016 und 2017 Schecks erhalten haben. Das Geld stammt aus dem so genannten Verstärkungsfonds, den der Saartoto-Aufsichtsrat unter seiner früheren Vorsitzenden, Sozialministerin Monika Bachmann (CDU), beschlossen hat. Dem LSVS gehören 42,86 Prozent von Saartoto. Mehrheitsgesellschafter ist das Land. Bei dem Verband laufen derzeit zudem Recherchen über die Hausbank, um zu klären, welche Schecks wann und von wem eingereicht wurden.

Diese Resultate interessieren mit Sicherheit auch den erfahrenen Oberstaatsanwalt, der sich seit Wochen und Monaten mit Unterstützung des Kripo-Dezernates „Besondere Ermittlungen, Korruption“ intensiv mit der LSVS-Finanzaffäre beschäftigt. Betroffen sind der frühere Hauptgeschäftsführer Paul Hans, LSVS-Chef Meiser sowie die weiteren Präsidiumsmitglieder, darunter auch der zurückgetretene Eugen Roth (SPD). Wegen möglicher Untreue und mit einer Ausnahme auch wegen eventueller Vorteilsgewährung in Zusammenhang mit der Geburtstagsfeier von Innenminister Klaus Boullion (CDU) wird ermittelt. Zwischenzeitlich dürften in Sachen LSVS bei der Justiz mindestens drei eigene Aktenzeichen vergeben sein. Aktuell laufen die Vernehmungen von Zeugen aus dem LSVS. Dem Vernehmen nach interessiert sich der Oberstaatanwalt auch für die Parteimitgliedschaft der Zeugen, die beim LSVS arbeiten. So soll konkret nach dem CDU-Parteibuch gefragt worden sein. Angeblich sollen Notizen oder Aufzeichnungen, die bei Durchsuchungen gefunden wurden, diese Frage rechtfertigen.

Offiziell war von der Staatsanwaltschaft dazu keine Stellungnahme zu erhalten.

Michael Blank ist „Konsolidierungsberater“ beim LSVS.
Michael Blank ist „Konsolidierungsberater“ beim LSVS. FOTO: BeckerBredel