| 20:16 Uhr

Zwei Jahre nach dem Terror von Berlin
Das lange Warten auf Entschädigung

ARCHIV - 20.12.2016, Polen, Sobiemysl: Der polnische Speditionsbesitzers Ariel Zurawski steht bei einem Pressetermin vor Journalisten. Sein Lkw wurde zum Terrorfahrzeug, sein Cousin und Fahrer vom Attentäter erschossen. (zu "Zwei Jahre nach Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt (am 19.12.): Besitzer des Terror-Lkws gibt Kampf um Entschädigung auf" vom 17.12.2018) Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 20.12.2016, Polen, Sobiemysl: Der polnische Speditionsbesitzers Ariel Zurawski steht bei einem Pressetermin vor Journalisten. Sein Lkw wurde zum Terrorfahrzeug, sein Cousin und Fahrer vom Attentäter erschossen. (zu "Zwei Jahre nach Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt (am 19.12.): Besitzer des Terror-Lkws gibt Kampf um Entschädigung auf" vom 17.12.2018) Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Stefan Sauer
Warschau/Sobiemysl. Rund zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz hat der polnische Speditionsbesitzer Ariel Zurawski seinen Kampf um deutsche Entschädigungszahlungen vorerst aufgegeben. dpa

„Das ist ein Kampf wie David gegen Goliath“, sagt er. Der Pole aus Sobiemysl bei Stettin (Szczecin) hatte sich bei Berliner Behörden unter anderem um Schadenersatz für den Lkw bemüht, den der Attentäter Anis Amri zur Terrorwaffe gemacht und dabei schrottreif gefahren hatte. Amri hatte erst Zurawskis Cousin, den Fahrer des Lkw, erschossen und das Gefährt dann auf dem Weihnachtsmarkt in die Menge gelenkt: Elf weitere Menschen starben, mehr als 70 wurden verletzt.


Bislang erhielt Zurawski von deutschen Behörden 10 000 Euro Schmerzensgeld. Tatsächlich sei ihm durch den Anschlag ein finanzieller Schaden von rund 90 000 Euro entstanden, schätzt der Pole, dessen fast neuer Lkw nach dem Attentat verschrottet wurde. Zwischenzeitlich fürchtete Zurawski sogar den finanziellen Ruin.

„Eigentlich sollte die Entschädigung der Opfer für ein reiches Land wie Deutschland eine Ehrensache sein.“ Doch das Nachbarland habe ihn im Stich gelassen. „Solange in Deutschland die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, habe ich keine Chance, etwas zu erreichen.“ Dies habe ihm sein Anwalt gesagt. In Deutschland wird in einem Untersuchungsausschuss geklärt, warum Amri nicht engmaschig überwacht worden war.



Nach Informationen des Berliner „Tagesspiegels“ sollen die Opfer von Terroranschlägen künftig schneller und besser entschädigt werden. Die Bundesregierung habe die lange geforderte Reform des Opferentschädigungsgesetzes auf den Weg gebracht, schreibt die Zeitung in ihrer Sonntagsausgabe. Der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorgelegte Entwurf zur Reform des sozialen Entschädigungsrechts werde laut einer Sprecherin gerade im Bund sowie mit den Ländern und Verbänden abgestimmt. 

Nach dem Gesetzentwurf sollen Opfer und Hinterbliebene höhere Entschädigungen erhalten. Auch bundesweite Soforthilfen in speziellen Trauma-Ambulanzen seien geplant. Der Berliner Opferbeauftragte Roland Weber lobte, dass künftig alle Opfer von Gewalttaten in Deutschland unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit und vom Aufenthaltsstatus gleich behandelt werden sollen. Er habe es nach dem Anschlag vom Breitscheidplatz als peinlich empfunden, den israelischen Opfern geringere Leistungen als etwa Italienern zusagen zu müssen, sagte Weber. Laut Gesetzentwurf könnte das Opferentschädigungsgesetz künftig auch bei tätlichen Angriffen mit Kraftfahrzeugen greifen, so dass nicht mehr die Verkehrsopferhilfe einspringen muss. Nach Angaben des Ministeriums können Verbände derzeit ihre Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf abgeben. Im Frühjahr 2019 soll sich das Kabinett damit befassen.