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Liebling der Erzkonservativen will US-Präsident werden

Washington. Als Ted Cruz versuchte, Barack Obamas Gesundheitsreform auszuhebeln, griff er zum Mittel des Filibusters, der Dauerrede, die einzig dem Zweck dient, eine Novelle zu blockieren. 21 Stunden stand der Senator ununterbrochen am Pult. Frank Herrmann

Der Marathonrede folgte eine 16-tägige Teilschließung der Bundesbehörden. Seit diesem Paukenschlag 2013 steht Cruz in der ersten Reihe der Politik. Nun ist er der erste Bewerber von Rang, der an den Start des nächsten Rennens ums Weiße Haus geht, eine Galionsfigur der Tea Party, deutlich konservativer als die republikanischen Favoriten Jeb Bush und Chris Christie, die sich offiziell noch erklären müssen.

Der 44-jährige Cruz hält den Klimawandel für einen Schwindel und will die Pflicht zur Krankenversicherung rückgängig machen. Er plädiert für die Todesstrafe und lockere Waffengesetze. Außenpolitisch ist er ein Hardliner. Nicht nur, dass er einen Brief unterzeichnete, in dem 47 Senatoren die iranische Führung wissen ließen, bereits der nächste Amtsinhaber im Oval Office könne jedes Atomabkommen mit einem Federstrich annullieren. Auf die Frage, ob er den gezielten Affront mitten in delikaten Verhandlungen nicht schon bereue, setzte Cruz noch eins drauf. Beim nächsten Mal unterschreibe er in Großbuchstaben, "damit der Ajatollah nicht mal zur Lesebrille greifen muss, um meine Unterschrift zu erkennen".

So sehr das alles nach verbaler Brechstange klingt, in Wahrheit beherrscht der hochkarätige Jurist auch die Kunst des geschliffenen Worts. Schon beim Studium in Princeton und Harvard war er der beste Debattenredner seines Jahrgangs. 2012 delegierten ihn die Texaner in den US-Senat , wo er sich rasch als wortgewaltiger Champion der reinen Tea-Party-Lehre profilierte.