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Kritik an Sparkurs der Lufthansa

Frankfurt/Main. Das Germanwings-Unglück macht die Diskussion um das geplante Billigflugkonzept der Lufthansa schwieriger. Gewerkschaften kämpfen schon seit langem gegen die Einsparungen und Auslagerungen von Dienstleistungen. Agentur

"Jetzt stehen andere Dinge auf der Tagesordnung." Der Flugkapitän und Pilotengewerkschafter Jörg Handwerg will momentan nicht über die 13. Runde im Pilotenstreik bei der Lufthansa nachdenken. Tatsächlich stehen im Konzern nach dem schwersten Flugzeugunglück in der Unternehmensgeschichte drängende Sicherheitsthemen an, die aber auch den Grund des Arbeitskampfes berühren.

Das aktuelle Lufthansa-Konzept des seit knapp einem Jahr agierenden Chefs Carsten Spohr sieht neben einer schrumpfenden Premium-Lufthansa den Ausbau von Billigangeboten unter der neuen Dachmarke Eurowings vor. Germanwings soll wesentlicher Teil dieses Angebots werden, dessen Ausbau die Pilotengewerkschaft VC mit nahezu allen Mitteln bekämpft.

Zur Eurowings-Strategie gehören billigeres Bord-Personal sowie die Auslagerung von Dienstleistungen am Boden, vom Check-In bis hin zur Flugzeugwartung. Am Flughafen Hamburg hat Germanwings die Wartung der Maschinen aus Kostengründen an den Dienstleister Bostonair vergeben. Es besteht die Sorge, dass bei aller Ausgründerei die Sicherheit Schaden nehmen könnte.

Spohr hat die Sparbemühungen stets damit begründet, dass ausreichend Kapital für neue Flugzeuge und Kabinenausstattungen da sein muss. Der Konzern hat bis zum Jahr 2025 nicht weniger als 272 neue Flugzeuge mit einem Listenpreis von 38 Milliarden Euro bestellt, darunter 160 Flieger aus der Airbus-Familie A320, aus der auch der Unglückflieger stammte.

Nach den bislang vorliegenden Informationen zum Absturz des Unglücksflugs 4U 9525 hält der Luftverkehrsexperte Gerald Wissel eine technische Ursache für am wahrscheinlichsten. Laut Germanwings wurde der letzte Schnellcheck an der über 24 Jahre alten Maschine in Düsseldorf von Lufthansa-Technikern durchgeführt. Doch für Wissel ist bislang noch unklar, ob das auch für den weit gründlicheren so genannten C-Check im Jahr 2013 gilt. Dabei nehmen die Techniker das Flugzeug genau unter die Lupe. Über mehrere Tage werden alle Systeme und Bauteile überprüft. Die Maschine wird dafür auch teilweise zerlegt.

Der Zuverlässigkeitsnimbus der Lufthansa sei ausreichend stark, glaubt der Hamburger Luftverkehrsexperte Heinrich Großbongardt. Die Marke stehe wie kaum eine andere für Sicherheit in der Luftfahrt und werde wie schon die Air France die Vertrauenskrise überstehen.