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Kontinent der Konflikte – Kontinent der Chancen

Bayanga. Afrika wird das große Thema sein beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau nahe Garmisch-Partenkirchen. Zur Vorbereitung auf das Treffen schaute sich Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im Kongo, in Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik um. Hagen Strauß

Auf seinem Flug von Kamerun in die Zentralafrikanische Republik kann Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU ) viele kleine Rauchwolken sehen, die aus dem tropischen Regenwald aufsteigen. Es sind Brandrodungen, um etwas Ackerland zu gewinnen. Kurzfristig vielleicht gut für wenige Menschen, langfristig verheerend für alle. Der Blick aus dem Fenster der Propellermaschine bringt dem Minister über Afrika konkret nahe, was demnächst in Deutschland politisch wichtig werden wird.

Kongo, Kamerun , die Zentralafrikanische Republik , das sind die drei Stationen der Afrikareise Müllers. Länder, die extrem hohe Armutsraten haben. Korrupte Eliten verhindern, dass sich daran durchgreifend etwas ändert. Außerdem werden diese Staaten zum Teil seit Jahren von inneren Konflikten oder Bürgerkriegen erschüttert. Im Kongo kämpft eine internationale Friedenstruppe gegen Rebellen, Kamerun führt Krieg gegen die Terrormiliz Boko Haram und für die Zentralafrikanische Republik gilt wegen einer bedenklichen Sicherheitslage nach wie vor eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Aber Afrika ist nicht mehr nur ein Kontinent der Konflikte, sondern auch der Chancen. In vielen Staaten entwickelt sich die Zivilgesellschaft, die Rufe nach Reformen und mehr Beteiligung werden größer, wie Müller bei einem Gespräch mit Studenten in Kinshasa erfährt. Zahlreiche Länder sind zudem reich an Rohstoffen oder attraktiv für Touristen. Ein einzigartiger tropischer Naturpark verbindet die drei Staaten, die der Minister besucht. Das Kongobecken ist das zweitgrößte Regenwaldgebiet nach der Amazonas-Region. Müller ist sich sicher: "Die Probleme sind lösbar." Afrika habe großes Potenzial und sei Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Doch müssten die afrikanischen Staaten auch ihre Eigenressourcen stärker mobilisieren. Es könne nicht sein, dass Länder "50 Prozent und mehr ihrer Haushalte über internationale Entwicklungsgelder finanzieren".

Beim G7-Gipfel der führenden Industrienationen Anfang Juni auf Schloss Elmau nahe Garmisch-Patenkirchen soll Afrika nach den Worten Müllers eine große Rolle spielen. Seine Reise dient sozusagen der Vorbereitung auf den Gipfel. In Elmau wollen sich die Industriestaaten dazu verpflichten, in den nächsten 15 Jahren 500 Millionen Menschen aus der extremen Armut herauszuführen. Solche Vereinbarungen hat es allerdings schon häufiger gegeben, oft waren sie das Papier nicht wert, auf dem sie gestanden sind. Dass es diesmal anders wird, da ist sich Müller sicher: "Lösen wir die Probleme nicht, kommen sie zu uns." Dann würden sich noch mehr Menschen aus Afrika in Richtung Europa aufmachen.

Auch der Klimaschutz soll im Juni bei den sieben Staatenlenkern ganz oben auf der Tagesordnung stehen. In Elmau werde es eine "starke Vorgabe der Industrieländer zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels" geben. "Jeder Baum, der stehen bleibt und nicht verbrannt wird, und jeder Baum, der aufgepflanzt wird, trägt zur Klimaentlastung des Planeten bei", so Müller. Werde das Klimaziel nicht erreicht, rechneten Experten bis 2050 mit 200 Millionen Klimaflüchtlingen. Das gelte es zu verhindern. Schon jetzt werden den Staaten, die bereit sind, die Entwaldung und Abholzung zu stoppen und in die Wiederaufforstung zu investieren, gezielt Hilfen angeboten.

Dem Kongobecken und dem drei Länder umfassenden Nationalpark kommt dabei eine besondere Rolle zu - die Region ist so etwas wie die grüne Lunge der Erde. Die Kooperation zur Erhaltung des Regendwaldes will Müller daher weiter ausbauen. Dass sich dies lohnt, erlebt er im zentralafrikanischen Teil des Nationalparks, dem Schutzgebiet Dzanga-Sangha bei Bayanga . Auch dort wüteten bis zum Juli vergangenen Jahres Rebellen, inzwischen ist die Gegend befriedet. Jetzt stellt vor allem die international organisierte Wilderei ein großes Problem dar. Hier im Südzipfel der Zentralafrikanischen Republik leben noch zahlreiche Waldelefanten und Flachlandgorillas, auch Pygmäen, die den deutschen Minister in ihrem Dorf mit Tanz und Gesang empfangen. Qualmende Regenwälder sieht Müller dort - zum Glück - nicht.