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Ein Jahr #MeToo
Schluss mit der passiven Opferrolle

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Philosophin Svenja Flaßpöhler bringt es auf den Punkt, wenn sie kritisch auf die „kulturell anerzogene Passivität“ vieler Frauen hinweist. Geht es um sexuelle Übergriffe, dann sind Frauen oft das Opfer. Von Fatima Abbas
Fatima Abbas

Um das festzustellen, braucht es kein #MeToo. Dennoch war die Debatte sinnvoll, hat sie doch kritikwürdige Strukturen ins Bewusstsein gerückt. Zu denen gehört auch die Unfähigkeit bzw. begrenzte Fähigkeit vieler Frauen, Grenzen zu setzen. Welches Ausmaß diese anerzogene und strukturell verankerte Machtlosigkeit annehmen kann, zeigt der aktuelle Kinofilm „Alles ist gut“. Die Protagonistin Janne wird Opfer einer Vergewaltigung und zahlreicher emotionaler Grenzüberschreitungen. Doch sie begegnet alldem mit der verstörenden Haltung „Ich stecke das schon weg“. Verstörend deshalb, weil wir, zumindest in Deutschland, nicht mehr in einer Zeit leben, in der Frauen schutzlos der Übermacht von Männern ausgesetzt sind. Doch – und das hat #MeToo dankenswerterweise gezeigt – ist die Entwicklung von der „Alles ist gut“-Frau zur grenzensetzenden Für-sich-Entscheiderin immer noch sehr mühsam. Diese Entwicklung zu befördern, schützt zwar nur bedingt vor Übergriffen – vor der passiven Opferrolle jedoch allemal.