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Kommentar
Eine notwendige Lobby

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Praktisch jede Interessengruppe in Deutschland hat mindestens eine größere Lobby-Organisation. Anwälte, Architekten, Ärzte. Ja, selbst die Weihnachtsbaum-Betriebe sind in einem Bundesverband zusammengeschlossen. Von Stefan Vetter

Umso erstaunlicher, dass gerade der Pflegebereich hier noch so etwas wie ein Entwicklungsland ist. Gegen die Schaffung einer Bundespflegekammer gibt es jedenfalls große Widerstände. Da ist es sehr zu begrüßen, wenn sich Gesundheitsminister Jens Spahn nun dafür stark macht.


Wer an das Gesundheitswesen denkt, der mag immer noch in erster Line an die Ärzteschaft denken. An die „Halbgötter in Weiß“, gegen die sich Schwestern, Physiotherapeuten oder Pfleger scheinbar nur wie Handlanger ausnehmen. In der Praxis hat sich dieses Bild jedoch deutlich gewandelt. Mit 1,2 Millionen Beschäftigten bilden die Pflegekräfte heute die größte Berufsgruppe in der Gesundheitswirtschaft. Sie verrichten auch eigenständige medizinische Leistungen. Von bloßen Hilfsdiensten kann keine Rede mehr sein. Die Bundesärztekammer ist zuständig für berufsrechtliche Entscheidungen sowie ethische Fragen und hat damit einen enormen gesellschaftlichen Einfluss. Und das sollte man auch der Pflegebranche zugestehen.