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Kommentar
Das Tierwohl, die Moral und der Markt

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Das Tierwohl dürfe nicht allein ein Thema der Grünen sein, sagte dieser Tage die Bewerberin um die Merkel-Nachfolge Annegret Kramp-Karrenbauer. „Das interessiert auch CDU-Wähler.“ Von Werner Kolhoff

In der praktischen Politik der Union, aber auch des Koalitionspartners SPD, ist das noch nicht angekommen, wie die Verlängerung der Möglichkeit zur betäubungslosen Ferkelkastration zeigt, die die große Koalition heute im Bundestag zur Debatte stellt. Die Agrarlobby hat wieder ganze Arbeit geleistet. Wie schon bei der Käfighaltung ist ihre Strategie klar: Wenn man Veränderungen nicht komplett verhindern kann, gilt es, sie wenigstens so lange wie möglich hinauszuschieben. Vorwände finden sich immer. Man kann darauf wetten, dass dem gestrigen Vorstoß von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) gegen das Schreddern männlicher Küken ein ähnliches Schicksal beschert sein wird. Obwohl hier sehr überzeugende Vermeidungstechniken vorliegen. Die Geflügelwirtschaft hat ihre Bedenken schon angemeldet.


Das Schändliche an Ferkelkastration ohne Betäubung und Kükentöten ist: Sie sind unnötige und vermeidbare Tierschutzverletzungen. Sie geschehen nur noch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit. Dabei geht es sogar nur um geringe Beträge, die gespart werden sollen. Drei, vier Euro beim Ferkel; ein, zwei Cent beim Ei. Der Mensch isst Fleisch, und deshalb ist die Verwertung von Tieren nicht zu vermeiden. Aber abgesehen davon, ob es immer so viel Fleisch sein muss, ist die große Frage, unter welchen Bedingungen dieses Fleisch hergestellt wird. Immer mehr Konsumenten fühlen sich unwohl mit der Tatsache, dass eben nicht alles Mögliche getan wird, um Tieren unnötiges Leid zu ersparten. Ihre langjährige, sehr konsequente Politik bei diesem Thema macht auch einen Teil des Erfolges der Grünen aus. Das hat Kramp-Karrenbauer nicht gesagt.