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Katholische Laien wollen Zölibat abschaffen

Augsburg/Saarbrücken. Der katholischen Kirche fehlen Nachwuchs-Priester, in vielen Pfarreien macht sich das deutlich bemerkbar. Während die Bistümer auf Strukturreformen setzen, fordern die Laien radikalere Lösungen: Sie wollen die Pflicht zum Zölibat aufgeben. dpa/epd/kes

Das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) macht sich angesichts des akuten Priestermangels für eine Lockerung der strikten Vorschriften stark. Der dramatische Rückgang bei den Priesterweihen erfordere in letzter Konsequenz eine Abkehr vom Zölibat , sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. "Wenn es nicht mehr anders geht, dass wir personell in der Seelsorge ausbluten, und wenn es so ist, dass der Zölibat ein Hindernis darstellt, dann muss er, weil weniger wichtig, gelockert werden", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".



Im vergangenen Jahr wurden bundesweit nur noch 58 Männer zu Priestern geweiht, Tendenz fallend. Auch in den Bistümern Trier und Speyer ist die Zahl stark rückläufig: Im laufenden Jahr wird es nach Angaben der Pressestellen insgesamt lediglich drei Priesterweihen geben. Sowohl in Trier als auch in Speyer sieht man die Entwicklung mit großer Sorge: "Das reicht nicht aus, um frei werdende Stellen in den kommenden Jahren zu besetzen", sagte der Sprecher des Bistums Trier, André Uzulis, auf Anfrage. Derzeit gebe es im Bistum 15 Vakanzen. Eine Debatte über die Aufgabe der Ehelosigkeit von Priestern werde aber "in der nächsten Zeit nicht anstehen", sagte Uzulis mit Verweis auf entsprechende Aussagen von Papst Franziskus. Auch das Speyerer Bistum verweist auf die klare Haltung des Vatikans.

Die katholischen Laien in der Region pochen derweil auf Entscheidungsfreiheit von Priester-Anwärtern. "Männern, die zum Priesterberuf berufen sind, sollte man freistellen, ob sie zölibatär leben wollen", sagte Herta Brinkmann vom Katholikenrat im Bistum Trier . Aus ihrer Sicht sei Einsamkeit ohnehin "nicht die Natur des Menschen".

Die katholischen Laien kritisieren zudem den Einsatz ausländischer Seelsorger auf unbesetzten Pfarrstellen. "Man kann nicht alle Pfarreien einfach mit Import-Priestern ausstatten, das ist auf Dauer keine Lösung für den Priestermangel in Deutschland", sagte Sternberg. Allein im Bistum Trier sind derzeit sieben ausländische Priester im Einsatz. >