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Kommentar
Junckers Fehler

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Regierungssitze führen überall auf der Welt ihr Eigenleben. Und so gehört der Fall Selmayr auch zu den Ereignissen unter der Brüsseler „Käseglocke“, für die Außenstehende ein eher geringes Interesse haben. Mit diesem Argument haben die Vertreter der Europäischen Kommission lange versucht, die aufgewühlten Wogen zu glätten. Ein schwerer medienpolitischer Fehler.

Dass im Dunstkreis der Macht die Spitzenfunktionäre machen können, was sie wollen, also auch ihre Günstlinge in lukrative Positionen hieven, wird zur Munition für die hohlen Phrasen, mit denen EU-Skeptiker und -Kritiker ihre Kampagnen würzen. Denn das ist keineswegs der Alltag in der Union – auch nicht in den Institutionen. Diese mögen komplex und schwer durchschaubar sein – aber sind nicht kompliziert oder stecken voller Zugriffsmöglichkeiten für schräge Tricks. Der Vorwurf an die Adresse des Kommissionspräsidenten, seinem Vertrauten eine Blitzkarriere innerhalb von wenigen Minuten verschafft zu haben, ist deshalb richtig – nicht weil Juncker Regeln gebrochen hat, sondern weil er die öffentliche Wirkung dieser Aktion falsch einschätzte.