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Israel hat die Wahl

Jerusalem. Millionen Israelis haben gestern bei der Parlamentswahl entschieden, wie es weitergehen soll mit ihrem Land. Zuletzt lief es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Netanjahu und Herausforderer Herzog hinaus. Susanne Knaul

Sonnenschein und verstopfte Straßen gab es zu Israels Parlamentswahlen . Viele Israelis nutzten gestern den arbeitsfreien Tag zu einem Ausflug in die Natur oder zum Shopping in einem der großen Einkaufszentren. In der Kleinstadt Mevasseret Zion postierten sich die Aktivisten von vier Parteien vor der zum Wahllokal umfunktionierten Schule. Vis-a-vis vom Stand der Zionistischen Liste unter der Führung des Sozialdemokraten Izhak Herzog warb der Likud um die Stimmen der Unentschlossenen, genau wie die neue Liste Kulanu, zu deutsch: "Wir alle", die sich vor allem mehr sozialer Gerechtigkeit widmen will. "Wähle Schass", rief einer der an seiner schwarzen Kippa erkennbar frommen Aktivisten der orientalisch-orthodoxen Partei, und redete noch im Gehen auf einen jungen Mann ein.

Eine Gruppe junger Likud-Aktivisten suchte vor dem Wahllokal die Diskussion mit Passanten. "Willst Du vielleicht das Land teilen", rief einer der jungen Männer. "Warum sollten wir den Palästinensern etwas von unserem Land abgeben?" Die Aktivisten wussten offenbar schon, was Likud-Chef Benjamin Netanjahu erst am Vortag zum ersten Mal öffentlich zugab. Er werde die Gründung eines Staates Palästina unter seiner Regierung nicht zulassen. Eine Zweistaatenlösung wäre, wenn überhaupt, nur mit einer von Izchak Herzog gebildeteten Koalition denkbar.

"Doch, wir haben Hoffnung auf Veränderung", sagte eine Rentnerin, die zusammen mit ihrem Mann zur Stimmabgabe kam. Beide zeigten sich skeptisch, ob es wirklich noch einen Frieden mit den Palästinensern geben kann, "aber wir brauchen neue Ansätze und kreative Politiker".

Herzog profilierte sich als die einzige Alternative zu dem seit sechs Jahren regierenden Netanjahu. Das Bündnis seiner Arbeitspartei mit der Tnuah von Ex-Justizministerin Zipi Livni brachte dem Mitte-Links-Lager einen überraschenden Aufschwung.

"Die meisten Wähler kommen erst am Nachmittag", sagte Abdel Rahman Jossef aus dem arabischen Dorf Abu Gosh. Jossef ist Aktivist der arabisch-antizionistischen Vereinten Liste. Zum ersten Mal treten drei arabische und eine arabisch-jüdische Partei als Bündnis zu Wahlen an, um so sicherzustellen, dass keiner an der Sperrklausel scheitert. "200 Prozent der Stimmen für die Vereinte Liste", prophezeit Jossef lachend. Ganz wird diese Rechnung nicht aufgehen, denn in dem 7500-Seelen-Dorf leben auch einige jüdische Familien.

Und selbst die arabischen Wahlberechtigten geben nicht alle ihre Stimme den arabischen Politikern. Rania Abd-el Rahman machte kein Geheimnis daraus, dass sie Izchak Herzog gewählt hat. "Er macht mir Hoffnung", sagte die Muslimin. "Herzog wird gegen den Rassismus in Israel kämpfen und einen Frieden mit den Palästinensern anstreben."

Seit 20 Jahren zum ersten Mal wieder macht ein älterer Mann, der seinen Namen nicht sagt, von seinem demokratischen Recht zur Stimmabgabe Gebrauch. "Lieberman zwingt mich dazu", sagt der fast zahnlose Araber, der "den Rassismus aufhalten will". Avigdor Lieberman , der scheidende ultranationale Außenminister, hatte in den letzten Jahren eine ganze Serie von Gesetzreformen vorangetrieben, die sich gezielt gegen die arabische Minderheit richteten.