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Handel
„Die Trends werden immer schnelllebiger“

Bastian Popp, Professor für Betriebswirtschaft und Handelsmanagement an der Universität Saarbrücken
Bastian Popp, Professor für Betriebswirtschaft und Handelsmanagement an der Universität Saarbrücken FOTO: Popp/Universität des Saarlandes
Saarbrücken. Der Handelsexperte Professor Bastian Popp zum Ende des Otto-Katalogs: Von Iris Neu-Michalik

Früher haben Kataloge echte Trends gesetzt. Wer prägt heute eigentlich federführend Trends ?


POPP Trends werden in weiten Teilen von Online-Shops gesetzt. Auch durch sogenannte Influencer in den sozialen Netzwerken. Das sind Leute, die in den sozialen Medien über Mode und Marken berichten und dafür auch von Unternehmen bezahlt werden. Damit werden Trends immer schnelllebiger. Gerade im Modebereich sind die Zyklen sehr kurz geworden. Kataloge, die zweimal im Jahr herausgegeben werden, können da nicht mehr mithalten.

Das heißt in Grunde, dass etwa ältere Konsumenten ohne Internet völlig abgehängt werden?



POPP Für einen inzwischen sehr kleinen Konsumentenkreis, der sich nicht auf Online einlassen will oder kann, mögen da gewisse Nachteile entstehen. Aber aus Unternehmenssicht muss man natürlich auch ökonomisch abwägen, ob man für eine Gruppe, die für weit weniger als zehn Prozent des Umsatzes verantwortlich ist, Kataloge herstellt, die mit vergleichsweise deutlich höheren Kosten verbunden sind.

Das Internet verdrängt viele Traditionsgeschäfte aus den Citys: Wie werden Einkaufsstraßen in zehn bis 20 Jahren aussehen?

POPP Es wird wohl noch mehr Händler geben, die zu Filialunternehmen gehören. Wie etwa C&A, H&M oder P&C, die ja deshalb erfolgreich sind, da die Filialen von den Größeneffekten des gesamten Unternehmens profitieren. Auch traditionelle Fachgeschäfte wird es geben, wenn sie denn in der Lage sind, höhere Preise durchzusetzen. Gute Chancen hierfür haben Geschäfte, die den Konsumenten besondere Erlebnisse oder Mehrwerte bieten, die der Online-Bereich nicht hat. Neben einem tollen Einkaufserlebnis sind hier insbesondere gastronomische Angebote und individuelle Dienstleistungen denkbar. Übrigens lässt sich feststellen, dass immer mehr Online-Händler auch in den stationären Handel gehen. Stationäre Geschäfte werden also auch in Zukunft relevant sein.

Das Gespräch Führte
Iris Neu-Michalik