| 21:17 Uhr

Deutsch-türkisches Verhältnis
In schwerem Fahrwasser

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Von normalen politischen Beziehungen sind Berlin und Ankara meilenweit entfernt. Doch plötzlich scheint die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel in greifbare Nähe gerückt zu sein. Von Stefan Vetter

Binali Yildirim persönlich hat die Erwartungen befeuert. Sind die türkischen Machthaber also lupenreine Demokraten geworden? Keineswegs. Die leichte Entspannung hat eher mit der politischen Großwetterlage zu tun. Zudem erhofft sich Ankara weitere militärische Hilfen aus Berlin. In dieser Situation wird die deutsche Türkei-Politik zum Balance-Akt. Die Kanzlerin sprach gestern treffend von einem schweren Fahrwasser. Zumal die rechtsstaatlichen Prinzipien in der Türkei längst nicht nur im Fall Yücel mit Füßen getreten werden. Selbst wenn er bald frei kommen sollte, darf Berlin nicht den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten. Und einen schmutzigen Deal „Freilassung gegen Waffen“ darf es schon gar nicht geben. Das wäre politisch verheerend.