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„In Saarbrücken gibt es viel zu viele Stehzeuge“

Saarbrücken. Wie wird eine Stadt allen Verkehrsteilnehmern gerecht? Dieser Frage widmet sich Saarbrücken gerade. Am neuen Konzept sollen auch Bürger mitarbeiten. Stefanie Marsch

. Eigentlich kennen Verkehrsplaner das Geheimnis schon seit 20 Jahren, sagt Rena Wandel-Hoefer. Eine Stadt wird attraktiver, wenn der Verkehr nicht nur auf Autos ausgerichtet ist. "Aber es ist sehr schwer, das umzusetzen", sagt Saarbrückens Baudezernentin. Die gesellschaftliche Prägung sei einfach eine andere. "Da kann man nur behutsam etwas verändern." Der Trend kehre sich aber allmählich um. Saarbrücken erarbeitet gerade einen neuen Verkehrsentwicklungsplan, der die Stadt lebenswerter, einladender machen soll. Wie das erreicht werden kann, dabei sollen sich auch die Bürger einbringen, damit die Pläne eine breite Basis haben.

Möglichkeiten, das Verhältnis zwischen den Verkehrsteilnehmergruppen ausgeglichener zu gestalten - in Saarbrücken werden 56 Prozent der Wege im Auto zurückgelegt - gibt es viele. Optimale Ampelschaltungen für Fußgänger und bessere Kennzeichnung kurzer Wege sind dabei ein Ansatz. Ein weiterer sind mehr 30er-Zonen für Autofahrer. "Dann sind die Radfahrer nicht mehr so sehr die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Außerdem braucht, wer langsamer fährt, weniger Platz", sagt Wandel-Hoefer. Ein noch größeres Problem als der fahrende Verkehr sind nach ihrer Ansicht in Saarbrücken aber die geparkten Autos. "Ich nenne sie Stehzeuge - hektarweise Blech, das Platz wegnimmt. Hier könnte man viel Raum für städtische Entwicklung gewinnen." Zum Teil sei das schon geschehen, etwa unter der Berliner Promenade.

Die Grünen, mit SPD und Linken in einer Koalition im Stadtrat, sehen noch viel Arbeit. Es gebe zu wenige Park&Ride-Plätze, sagt Verkehrspolitiker Torsten Reif. Zudem sei Saarbrücken "weit von einem alltagstauglichen Radwegenetz entfernt". Beim neuen Verkehrsentwicklungsplan sieht er gute Ansätze. "Was am Ende umgesetzt wird, ist eine andere Frage."