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Qualitätsbericht vorgelegt
In der Pflege hakt es weiterhin

Berlin/Saarbrücken. Zehntausende Pflegebedürftige sind noch immer schlecht versorgt, beklagen Prüfer. Von Basil Wegener

Stress in den Heimfluren, Probleme mit medizinischer Versorgung, vernachlässigte Bewohner – der Pflegenotstand in Deutschland hat viele Gesichter. Ein neuer offizieller Prüfbericht zeigt Mängel und Risiken für zehntausende Betroffene, die in den bundesweit rund 13 600 Pflegeheimen und den rund 13 300 ambulanten Pflegediensten versorgt werden. Zwar gibt es viele Verbesserungen, aber auch Probleme. Ein Überblick:


Worüber klagen die Betroffenen?



Laut dem neuen Qualitätsbericht der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) etwa darüber, dass ein Bewohner 30 Minuten auf der Toilette auf nötige Hilfe warten musste. Die meisten der 175 000 untersuchten Pflegebedürftigen beschwerten sich wegen mangelnder Hilfe bei Körperpflege, Ernährung, Mobilität, Anziehen oder Ausscheidungen.

Was sind Hauptprobleme in Heimen?

Generell ist das Niveau der Pflege gut, sagt der Bericht. Probleme gab es aber in der Wundversorgung und der Schmerzerfassung. Bei sechs Prozent der Untersuchten war eine Wundversorgung notwendig, 24,4 Prozent davon bekamen sie aber nicht ausreichend. Außerdem gab es Mängel in der Vorbeugung. Bei fast zwei von fünf Betroffenen sahen es die Prüfer als nötig an, dass ihre Schmerzen genau erkundet werden – aber bei rund 18 Prozent passierte dies nicht. Bei 8,9 Prozent stellten die Prüfer freiheitsentziehende Mittel wie Bauchgurte fest.

Gibt es auch in der ambulanten Pflege Probleme?

Ja. Von fehlerhaften Abrechnungen bis zu hochriskanten Pflegefehlern – etwa nicht richtig durchgeführter künstlicher Beatmung bei jedem vierten Betroffenen. Bei fast 17 Prozent der Patienten, bei denen dafür spezielle Kanülen zum Einsatz kamen, gab es Probleme.

Wie geht es den Pflegebedürftigen insgesamt?

Fast 71 Prozent der Heimbewohner und mehr als 31 Prozent der ambulant versorgten Betroffenen waren 2016 durch Demenz eingeschränkt. Drei Jahre zuvor waren es 64 Prozent (ambulant: 29,9). Der Anteil der Bewohner mit Gewichtsverlust in Heimen stieg von 7,6 auf 8,7 Prozent. 77,5 Prozent brauchten eine Versorgung wegen Inkontinenz.

Wie viele Pflegebedürftige gibt es insgesamt?

Nach vorläufigen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums erhielten Ende des Jahres 2017 rund 3,1 Millionen Menschen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Nach der im vergangenen Jahr veröffentlichten Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes gab es Ende 2015 rund 2,9 Millionen Pflegebedürftige. Von ihnen wurden 783 000 (27 Prozent) in Heimen versorgt. 2,08 Millionen Personen wurden zu Hause betreut, 1,38 Millionen allein durch Angehörige und 692 000 auch durch ambulante Pflegedienste.

Und im Saarland?

Im Saarland gab es laut der Pflegestatistik des Bundesamtes Ende 2015 rund 38 000 Pflegebedürftige, rund 4000 mehr als zwei Jahre zuvor. Davon wurden rund 10 000 in Heimen gepflegt. 72 Prozent aller Betroffenen werden zu Hause versorgt.

Was sagen Kritiker?

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, dass der Bericht zwar „zahlreiche Mängel“ offenlege, diese sich aber nicht in offiziellen Fehlerstatistiken des MDK fänden. Nach Auffassung des Sozialverbands VdK belegte der Bericht Verbesserungen in der Pflege. Es bleibe aber „noch viel zu tun“. So sei sei dringend mehr Personal notwendig. CDU und SPD hatten sich in den Koalitionsverhandlungen auf eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte und die Schaffung von zunächst 8000 zusätzlichen Stellen verständigt.