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IHK-Studie
Saarländerinnen holen auf bei Berufstätigkeit

Die IHK stellt in ihrer Untersuchung fest, dass sich der Anteil an Frauen, die dem saarländischen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, vom Jahr 2005 bis heute um 15 Prozent erhöht hat. (Symbolbild)
Die IHK stellt in ihrer Untersuchung fest, dass sich der Anteil an Frauen, die dem saarländischen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, vom Jahr 2005 bis heute um 15 Prozent erhöht hat. (Symbolbild) FOTO: dpa / Patrick Pleul
Saarbrücken. Der Anteil berufstätiger Frauen im Saarland steigt inzwischen schneller als anderswo, zeigt eine Studie. Der IHK geht das nicht schnell genug. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Der Anteil berufstätiger Frauen im Saarland nimmt stark zu, doch im Vergleich zum Bund besteht weiter großer Aufholbedarf. Das ergibt eine neue Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes. Die Kammer forderte daher gestern gegenüber der SZ, die Zahl der Kindertagesstätten und gebundener Ganztagsschulen zu erhöhen, um Frauen den Berufseinstieg zu erleichtern. „Die Öffnungszeiten der Einrichtungen müssen sich nach den Arbeitszeiten der Eltern richten, nicht umgekehrt“, sagt IHK-Geschäftsführer Carsten Meier. Die neue Studie der IHK hält fest, dass eine gezielte Förderung der Berufstätigkeit von Frauen im Saarland die Lücke an Fachkräften schließen könne. Dazu gehöre  zwingend, dass sich die Saar-Unternehmen in ihren Arbeitszeitmodellen deutlich familienfreundlicher verhalten. Hierzu gehöre ein verstärktes Angebot an Teilzeit-Arbeitsmöglichkeiten.


Die IHK stellt in ihrer Untersuchung fest, dass sich der Anteil an Frauen, die dem saarländischen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, vom Jahr 2005 bis heute um 15 Prozent erhöht hat. Damit beträgt die Frauen-Erwerbsquote in der Region 71,2 Prozent. Diese auf den ersten Blick hohe Dynamik täusche jedoch darüber hinweg, dass das Saarland wegen seiner stark durch die Historie geprägten Arbeitswelt aus dem Zeitalter von Kohle- und Stahl in der Erwerbstätigkeit von Frauen auch einen besonders hohen Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Bundesländern hat. Das gelte insbesondere für ältere Jahrgänge. Zum Vergleich: Die Frauenerwerbsquote im Bund liegt derzeit bei 74 Prozent.

Aus der Sicht der IHK soll das Saarland versuchen, als Ziel bis ins Jahr 2025 die Frauenerwerbsquote auf das Bundesniveau zu steigern und bis 2030 auf die Höhe in skandinavischen Ländern. Dort erreicht die Frauen-Erwerbsquote am Arbeitsmarkt sogar einen Anteil von 82 Prozent. Skandinavien gilt nach Auskunft von IHK-Geschäftsführer Meier in der Frauenförderung im Berufsleben als besonders vorbildlich.



Meier setzt auf die „stille Reserve“ im Saarland, dazu zählt er rund 100 000 Frauen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, die man noch für eine Berufstätigkeit gewinnen könne. Gelinge es, aus dieser Reserve heraus das Bundesniveau zu erreichen, „würden dem saarländischen Arbeitsmarkt im Jahr 2025 im Vergleich zu 2017 rund 8800 Frauen mehr zur Verfügung stehen“, so Meier.

Erreiche man im Saarland bis 2030 das Niveau von Schweden, „bedeutet das sogar ein Plus von gut 30 000 Arbeitskräften“. So lasse sich die problematische Lücke an Fachkräften im Saarland bis 2030 insgesamt um bis zu 100 000 Personen verringern. Am häufigsten wählen Frauen laut IHK nach wie vor Berufe im Dienstleistungsbereich, insbesondere in der Gesundheitswirtschaft.