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| 20:19 Uhr

"Herschel" sucht die ersten Sterne

Garching/Paris. Nach dem Urknall war der Kosmos lange vollkommen finster. Erst nach frühestens hundert Millionen Jahren flammten die ersten Sonnen auf und beendeten dieses "Dunkle Zeitalter". Mit dem größten Weltraumteleskop, das jemals gebaut wurde, gehen Astronomen jetzt auf die Pirsch nach den ersten Sternen und Galaxien des Universums Von dpa-Mitarbeiter Till Mundzeck

Garching/Paris. Nach dem Urknall war der Kosmos lange vollkommen finster. Erst nach frühestens hundert Millionen Jahren flammten die ersten Sonnen auf und beendeten dieses "Dunkle Zeitalter". Mit dem größten Weltraumteleskop, das jemals gebaut wurde, gehen Astronomen jetzt auf die Pirsch nach den ersten Sternen und Galaxien des Universums. Das fliegende Observatorium "Herschel" blickt im Licht der kosmischen Infrarotstrahlung durch Staub- und Gaswolken hindurch, die im sichtbaren Licht - etwa für das "Hubble"-Teleskop - einen undurchdringlichen Vorhang bilden. Nach mehreren Startverschiebungen soll das Superteleskop nun heute mit einer "Ariane V"-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abheben.

"Das Licht, das uns vom Universum insgesamt erreicht, gehört nur etwa zur Hälfte zum sichtbaren, die andere Hälfte stammt aus dem fernen Infrarot. Mit einem optischen Teleskop sehen wir also nur die Hälfte des Universums", erläutert Albrecht Poglitsch vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München, der für eines der drei Instrumente an Bord von "Herschel" verantwortlich ist. Fertige Sterne und Sternsysteme strahlen vor allem hell im sichtbaren Licht, entstehende und junge Systeme glühen im Infrarot.

Die Entstehung der ersten Sterne und Galaxien ist eingebrannt in den allgegenwärtigen Infrarot-Hintergrund - eine diffuse Strahlung im Kosmos, die in allen Himmelsrichtungen glimmt. "Mit Herschel werden wir jetzt erstmals in der Lage sein, diesen diffusen Hintergrund in einzelne Quellen aufzulösen", hofft Poglitsch. Als Namensgeber des Teleskops wurde daher der Entdecker der Infrarotstrahlung, Friedrich Wilhelm Herschel (1738 bis 1822), gewählt, britischer Astronom deutscher Herkunft.

Der Aufwand, den die Europäische Raumfahrtagentur ESA und ihre Partnerinstitute für "Herschel" getrieben haben, ist groß: Das Projekt kostet nach ESA-Angaben rund eine Milliarde Euro, 17 Firmen waren am Bau des Observatoriums beteiligt. Mit einem Durchmesser von 3,5 Metern ist die Oberfläche des "Herschel"-Spiegels mehr als doppelt so groß wie diejenige von "Hubble" (Spiegeldurchmesser 2,4 Meter) - "der größte, der jemals ins Weltall geflogen wurde", wie die ESA betont.

Im Tandem mit dem Superteleskop wird auch der ESA-Satellit "Planck" ins All starten, der das "Echo des Urknalls" so genau vermessen soll wie nie zuvor. Winzige Schwankungen in dieser bemerkenswert gleichmäßigen kosmischen Hintergrundstrahlung spiegeln bereits die Saat künftiger Galaxienhaufen wider. "Herschel" ist ein Multitalent, das nicht nur die ersten Sterne des Universums anvisieren wird, sondern etwa auch in jene Staubkokons spähen kann, in denen junge Sonnen entstehen. Zudem wird es zuschauen, wie sich Planetensysteme bilden, die Geschichte unseres eigenen Sonnensystems untersuchen und die chemische Zusammensetzung von Molekülwolken, Sternen und Galaxien analysieren. So nennt die ESA "Herschel" unter anderem "das mächtigste Werkzeug zur Suche nach Wasser in unserer Galaxie". Das Infrarotlicht hat allerdings auch einen gravierenden Nachteil: Es besitzt eine deutlich größere Wellenlänge als das sichtbare Licht, und von der Wellenlänge hängt ab, wie viele Details sich noch erkennen lassen. So besitzt "Herschel" zwar den bislang größten Spiegel aller Weltraumteleskope, kann aber dennoch im Infraroten nicht so feine Details auflösen wie etwa "Hubble" im optischen Bereich. Dennoch eröffnet es einmalige Beobachtungsmöglichkeiten.

Die Instrumente an Bord von "Herschel" müssen dazu allerdings tiefgekühlt werden. Dafür sorgen 2000 Liter supraflüssiges Helium, die gezielt verdunsten. Dieser Vorrat begrenzt allerdings die Missionsdauer des Teleskops. "Das Helium wird nach etwa 3,5 Jahren alle sein", sagt Poglitsch. Ist das Kühlmittel aufgebraucht, erwärmt sich das Teleskop und Beobachtungen sind nicht mehr möglich.

Für das Jahr 2013 plant die US-Raumfahrtbehörde Nasa dann den Start eines noch größeren Weltraumteleskops. Das ebenfalls für Infrarot-Beobachtungen optimierte "James Webb Space Telescope" soll einen Spiegel mit 6,5 Metern Durchmesser bekommen. Das erste seiner 18 Spiegelsegmente hat bereits die ersten Kältetests erfolgreich absolviert.