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Herr Seehofer und sein nachösterliches Orakel

München. Es ist zurzeit unwirtlich in Schamhaupten, einem 370-Einwohner-Ortsteil der Gemeinde Altmannstein im Landkreis Eichstätt: Schnee, Schneeregen, Regen. Viel Zeit zum Nachdenken für den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer. Am Montag will er im Partei-Vorstand enthüllen, was er sich in seinem Ferienhaus ausgedacht hat. Die einen wird es dann wahrscheinlich freuen, die anderen nicht. Eine nachösterliche Überraschung wird aber wohl nicht herauskommen. In seiner Partei und darüber hinaus rechnen die meisten damit, dass Seehofer zumindest als Ministerpräsident weitermachen wird - wahrscheinlich auch als CSU-Chef. Er wolle sich gesundheitlich checken lassen, um zu wissen, "ob ich die beiden Ämter noch uneingeschränkt erfüllen kann", ließ Seehofer noch wissen, bevor er sich in Klausur zurückzog. Ralf Müller

"Sie müssen wollen, Sie müssen können, und Sie müssen gewinnen", hatte Seehofer sich selbst als Voraussetzungen für das Weitermachen aufgestellt. Und er ließ keine Zweifel, dass das "Wollen" wohl nicht das Problem und das "Gewinnen" schon eingetütet ist.



Vor viereinhalb Jahren klang es ganz anders. Nach der laufenden Legislaturperiode des bayerischen Landtags, die bis 2018 dauert, werde "Schluss" sein, hatte der CSU-Chef verkündet und für seine Nachfolger das Rennen eröffnet. Doch dieses lief nicht nach den Wünschen des Amtsinhabers. Karl-Theodor zu Guttenberg kickte sich mit einer abgeschriebenen Doktorarbeit ins Aus, Wirtschaftsministerin Ilse Aigners Performance wurde allgemein als nicht ausreichend erachtet. Es blieb allein auf weiter Flur der fleißige, ehrgeizige und mit Machtinstinkt ausgestattete Finanz- und Heimatminister Markus Söder übrig.

Der Mann, den Seehofer immer wieder zurechtweist und rüffelt. Die Behauptung, dass er Söder nicht möge, sei "ein Medienprodukt", flunkerte Seehofer dieser Tage zwar, aber klar ist: Das Ende der Ära Seehofer ist nicht mehr zwingend auf die Landtagswahl im September 2018 terminiert. Will der heute 67-Jährige auch Parteichef bleiben? Oder gar als Spitzenkandidat die CSU-Bundestagsliste anführen? Oder wieder für den Landtag kandidieren? Das hatte er vor zwei Jahren zwar ausgeschlossen. Aber spätestens seit Donald Trump sind Kehrtwenden nichts mehr, was einem Politiker schlaflose Nächte bereitet. "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?", hatte schon Altbundeskanzler Konrad Adenauer gesagt. Bei Seehofer hört sich das so an: "Bei mir müssen Sie immer nach der Aktualität gehen. Sie müssen Schritt halten".

Das fällt manchem in der CSU schwer. Doch Aufbegehren ist nicht: Das würde die Wahlchancen schmälern und Macht kosten.

Was immer Seehofer derzeit im Altmühltal also ausbrütet - die CSU wird folgen müssen.