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Hamburg will Olympia mehr als Berlin

Spektakuläre Symphatiebekundungen für eine Olympia-Bewerbung gab es in beiden Metropolen. Ob Hamburg (oben) oder Berlin ins Rennen geht, entscheidet sich endgültig erst in einigen Monaten. Fotos: dpa
Spektakuläre Symphatiebekundungen für eine Olympia-Bewerbung gab es in beiden Metropolen. Ob Hamburg (oben) oder Berlin ins Rennen geht, entscheidet sich endgültig erst in einigen Monaten. Fotos: dpa
Neu-Isenburg. Der erste Stimmungstest spricht für Hamburg. Doch Berlin ist damit wohl noch nicht raus aus dem Wettstreit um den deutschen Olympia-Kandidaten für 2024. Seine Empfehlung will der DOSB kommende Woche aussprechen. Dpa-Mitarbeitereric Dobias

Für Uwe Seeler ist die Sache klar: Hamburg muss ins Rennen um die Olympischen Sommerspiele 2024 gehen. "Dann ist das ja an und für sich schon entschieden", sagte die Fußball-Legende gestern, als bekannt wurde, dass die Zustimmung zu einer Bewerbung in der Hansestadt größer ist als in Berlin . Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht aber noch keine Vorentscheidung gefallen.

Mit 64 Prozent hat Hamburg in einer Forsa-Umfrage die Nase deutlich vorn. In Berlin sprachen sich nur 55 Prozent für das Sportereignis aus. Doch mehr als ein kleiner Bonus ist dies in den Augen von DOSB-Präsident Alfons Hörmann nicht. "Das Ergebnis lässt eine Entscheidung für beide Städte zu", kommentierte er. Viel wichtiger war ihm die generelle Olympia-Zustimmung, die in beiden Städten sehr hoch ausfällt. "Heute ist ein guter Tag für den deutschen Sport. 81 Prozent der Berliner und 82 Prozent der Hamburger begrüßen Olympische Spiele in Deutschland", sagte Hörmann. "Die Frage, ob eine Olympia-Bewerbung Sinn macht, ist damit klar bejaht." Der DOSB stehe nun vor einer schwierigen Wahl.

Für diesen Entscheidungsprozess wurde vom DOSB-Präsidium ein Katalog mit fünf Kriterien erarbeitet: Vision & Olympisches Erbe, Gesamtkonzept der Spiele, Olympisches Dorf, Sportstätten sowie Umwelt & Nachhaltigkeit. Die Bewerber werden ihre Konzepte in einer DOSB-Präsidiumssitzung und in einem Gespräch mit Vertretern der Zivilgesellschaft jeweils 15 Minuten lang präsentieren. Am Montag gibt die DOSB-Führung dann ihre Empfehlung für einen Bewerber ab.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz gab sich zuversichtlich. "Die heute vorgelegten Zahlen sind ein Schritt hin zu einer deutschen Olympia-Bewerbung. Sie sind auch ein großes Kompliment für alle, die den Traum von Spielen an Alster und Elbe wahr machen wollen und dafür hart arbeiten", sagte der SPD-Politiker. Doch auch in der Hauptstadt glaubt man weiter an die Chance. "Das Rennen ist nicht entschieden. Die Umfrage ist nur ein Teil des Entscheidungsprozesses", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller . "Wir werden auch auf den letzten Metern alles geben", kündigte Sportsenator Frank Henkel an.

Die Hoffnung ist nicht unbegründet, denn seit September 2014 wuchs in beiden Städten die Olympia-Zustimmung deutlich. Vor einem halben Jahr hatten sich 53 Prozent der Hamburger und 48 Prozent der Berliner für eine Bewerbung ausgesprochen. Gleichzeitig sank in diesem Zeitraum in beiden Metropolen die Zahl der Menschen, die das Projekt ablehnen: in Hamburg von 44 auf 32 Prozent, in Berlin von 49 auf 39 Prozent. "Wir freuen uns über die riesige Zustimmung zu Olympischen und Paralympischen Spielen und vor allem auch darüber, dass es in beiden Städten Zuwächse bei der konkreten Bewerberfrage gab. Wir haben vor Ort gespürt, dass sich das Meinungsklima positiv entwickelt hat", sagte Hörmann.

Bevor der DOSB und die deutsche Bewerberstadt am 15. September ihre Kandidatur für die Ausrichtung beim Internationalen Olympischen Komitee einreichen, wird es in der nominierten Stadt noch einen Bürgerentscheid geben. Im Sommer 2017 wählt die IOC-Session in Lima den Gastgeber der Spiele 2024. Die Konkurrenz wird auf jeden Fall groß sein: Neben Boston steht bislang Rom als Bewerber fest.



Zum Thema:

Hintergrund Fahrplan für die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024: 16. März: Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) macht den Vorschlag, ob Berlin oder Hamburg ins Olympia-Rennen geschickt werden soll.21. März: Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB fasst den Beschluss über die Bewerberstadt. September: Bürgerentscheid über eine Olympia-Bewerbung in Berlin oder Hamburg . 15. September: DOSB und die Ausrichterstadt melden beim Internationalen Olympischen Komitee die Kandidatur an. 8. Januar 2016: Abgabe der ersten Bewerbungsunterlagen April/Mai 2016: Das IOC-Exekutivkomitee wählt die Kandidatenstädte aus.Sommer 2017: Die IOC-Session wählt in Lima/Peru die Olympia-Stadt für die Sommerspiele 2024. dpa