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Gewerkschaften fordern jetzt Schutzschirm für Arbeitsplätze

Saarbrücken/Bremen. IG-Metall-Chef Berthold Huber hat von der Politik einen staatlichen Rettungsschirm für Arbeitsplätze gefordert. "Nicht nur Banker, sondern alle Menschen haben ein Recht auf Zukunft", sagte Huber am Freitag in Saarbrücken auf der Mai-Kundgebung der Saar-Gewerkschaften. Laut Polizei waren rund 3000 Menschen auf den Theatervorplatz gekommen

Saarbrücken/Bremen. IG-Metall-Chef Berthold Huber hat von der Politik einen staatlichen Rettungsschirm für Arbeitsplätze gefordert. "Nicht nur Banker, sondern alle Menschen haben ein Recht auf Zukunft", sagte Huber am Freitag in Saarbrücken auf der Mai-Kundgebung der Saar-Gewerkschaften. Laut Polizei waren rund 3000 Menschen auf den Theatervorplatz gekommen. Bundesweit nahmen nach Gewerkschaftsangaben an den Mai-Kundgebungen 484 000 Menschen teil - rund 70 000 mehr als im vergangenen Jahr.



Die Krise und ihre Folgen seien "längst noch nicht ausgestanden", betonte Huber in Saarbrücken. Niemand wisse, ob das Schlimmste noch bevorstehe. Deshalb müssten die Gewerkschaften in den nächsten Wochen und Monaten "in den Betrieben Gegenwehr leisten". Dabei gehe es um eine Auseinandersetzung über die "Verteilung der Krisenlasten und den Erhalt der sozialen Sicherungssysteme". Huber verteidigte dabei ein Eingreifen des Staates in der Krise. Nur dann hätten junge Menschen und ganze Regionen eine Chance auf Zukunft. Der Markt allein regele das nicht.

Bundesweit forderten am 1. Mai Gewerkschafter, die Reichen angesichts der Wirtschaftskrise stärker zur Kasse zu bitten. Verdi-Chef Frank Bsirske machte sogar den Vorschlag, Managergehälter bis zu 80 Prozent zu besteuern. Bei der zentralen Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Bremen sagte dessen Chef Michael Sommer: "Die von skrupellosen Casino-Kapitalisten und gewissenlosen Spekulanten ausgelöste weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise bedroht mittlerweile zig' Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in ihrer Existenz." Die Bundesregierung müsse noch in dieser Legislaturperiode mit der Regulierung der Finanzmärkte Ernst machen. Sommer verlangte, "Reiche und Superreiche" per Vermögensanleihe an den Krisenkosten zu beteiligen.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bot den Gewerkschaften einen Schulterschluss an. und Kommentar ddp/dpa/red



Hintergrund

Das Frühjahr belebt diesmal nicht den Arbeitsmarkt: Die Zahl der Jobsuchenden in Deutschland sank im April nur um 1000 auf 3,585 Millionen. Die Quote stagnierte bei 8,6 Prozent. Vor einem Jahr waren 171 000 Menschen weniger auf Jobsuche, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Im Saarland nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber März sogar zu - um 600 auf 40 800 (7,9 auf acht Prozent). Im April 2008 lag sie noch um 2200 tiefer. red