| 00:00 Uhr

Gerüchte um Verbleib von Wladimir Putin

Moskau. Der russische Präsident steht wegen seiner harten Ukraine-Politik seit Monaten im Zentrum des internationalen Interesses. Umso mehr irritiert die Öffentlichkeit, dass er schon seit Tagen abgetaucht ist. dpa/afp

Mitten in der Ukraine-Krise ist Russlands Präsident Wadimir Putin aus der Öffentlichkeit verschwunden und hat damit Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und sein politisches Schicksal ausgelöst. Russische Medien wundern sich seit Tagen über das Fehlen frischer Bilder des Präsidenten im Staatsfernsehen.

Putin im Gespräch mit Ministern, Putin auf Reisen, Putin als Garant für Stabilität - Auftritte des Kremlchefs gehören eigentlich zum Tagesgeschäft für das russische Staatsfernsehen. Dass der 62-Jährige nun eine Reise nach Kasachstan verschieben ließ, gab den sorgenvollen Berichten über den Verbleib des Kremlchefs zusätzlich Auftrieb. Denn daneben sagte er auch ein Treffen mit Vertretern Südossetiens ab und nahm an einem Treffen des Inlandsgeheimdienstes nicht teil. Im Zuge des Ukraine-Konflikts und der Sanktionen gegen Russland hatte es immer wieder Spekulationen darüber gegeben, wie lange Putin dem Druck standhalten könne. Auch gibt es Fragen zum Rückhalt in der Führung angesichts der Wirtschaftsprobleme.

Der Kreml sah sich gestern gezwungen, Gerüchten entgegenzutreten. "Der Präsident fühlt sich gut", sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Dass Putin seit Tagen nicht zu sehen ist, erklärte Peskow mit einem "sehr angespannten Tagespensum". Der Händedruck des Präsidenten sei so fest, dass er jemandem die Knochen brechen könne. Der markige Spruch soll vor allem bei jenen sitzen, die Putin zuletzt eine kaum noch überschaubare Zahl schwerer oder sogar tödlicher Krankheiten andichteten.

Zweifel an den offiziellen Worten sitzen aber traditionell tief. Groß ist das Misstrauen aus Sowjetzeiten, als das Politbüro den Zustand von Kremlchef Leonid Breschnew wie ein Staatsgeheimnis hütete. Daran hat sich nach dem Ende der UdSSR nichts geändert.

Auf die Frage, wann der Präsident denn wieder im Fernsehen zu sehen sein werde, reagierte Kreml-Sprecher Peskow gestern allerdings ausweichend. 2012 war in Russland schon einmal über Putins Gesundheit gerätselt worden, als er mehrere Auslandsreisen absagte. Der Kreml erklärte damals, Putin habe Rückenprobleme.