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Gauland-Gastbeitrag
Die AfD fährt eine andere Strategie

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Es ist unwahrscheinlich, dass sich AfD-Chef Alexander Gauland tatsächlich bewusst auf eine Rede Hitlers bezogen hat, als er den FAZ-Gastbeitrag verfasste. Auch wenn Parallelen in der Denkweise unverkennbar sind: Es passt schlecht ins Konzept der Rechtspopulisten, sich in einer bürgerlichen Tageszeitung offen mit dem NS-Diktator gemein zu machen. Von Gerrit Dauelsberg

Denn die Adressaten des Artikels sind bürgerlich-konservative Wähler, die die AfD für sich gewinnen möchte. Der FAZ aber muss man vorwerfen, dass sie Gauland dafür eine Bühne bietet.


Die AfD ist auf diese Weise extrem erfolgreich: Stärker als andere Parteien passt sie sich in ihrer Außendarstellung dem jeweiligen Medium an: Bei ARD und ZDF sowie in Zeitungs-Interviews gibt sie sich meist moderat und bürgerlich – abgesehen von einigen ganz gezielten Provokationen. Im Bundestag ist der Ton rauer. Bei Facebook lässt die Partei dann alle Masken fallen. Täglich hetzt sie dort gegen Migranten. Ein großer Teil der Beiträge beschäftigt sich mit angeblichen Gefahren, die von Flüchtlingen ausgehen. Marktschreierisch werden Fälle ausgeschlachtet, in denen „Merkels Gäste“ Verbrechen begangen oder sich auch nur daneben benommen haben.

Einer solchen Partei sollte die FAZ keinen Gastbeitrag einräumen, den jemand wie Gauland unkommentiert dazu nutzen kann, sich mit einer ausgefeilten Sprache ein bürgerlich-intellektuelles Gewand anzulegen. Auch wenn das durch die Diskussion um die Hitler-Parallelen dieses Mal schiefgegangen ist. Das bessere Format wäre ein Interview, in dem auch kritische Nachfragen möglich sind.