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Konferenz in Kuwait
Für irakischen Wiederaufbau sind fast 90 Milliarden Dollar nötig

Ein irakischer Polizist steht inmitten der Ruinen von Mossul. Die Stadt ist durch die Kämpfe gegen den IS größtenteils zerstört.
Ein irakischer Polizist steht inmitten der Ruinen von Mossul. Die Stadt ist durch die Kämpfe gegen den IS größtenteils zerstört. FOTO: dpa / Oliver Weiken
Kuwait-Stadt. Hilfsorganisationen, Regierungsvertreter und Unternehmen beraten sich seit gestern auf einer Konferenz in Kuwait.

Der Irak benötigt nach dem Sieg über die IS-Miliz nach eigenen Angaben fast 90 Milliarden Dollar für die Beseitigung der Kriegsschäden und den Wiederaufbau des Landes. Insgesamt seien 88,2 Milliarden Dollar (knapp 72 Milliarden Euro) erforderlich, sagte Planungsminister Salman al-Dschumaili gestern zum Auftakt einer internationalen Hilfskonferenz in Kuwait. An dem dreitägigen Treffen nehmen Hilfsorganisationen, Regierungsvertreter und Unternehmen teil.


Die Kostenschätzung beruhe auf einer Studie irakischer und internationaler Experten, sagte al-Dschumaili. Mit dem Geld müsse als erstes die Rückkehr von Vertriebenen ermöglicht und die Infrastruktur wieder aufgebaut werden. Ein ranghoher Mitarbeiter des Planungsministeriums erklärte, der Irak sei auf eine Soforthilfe von 22 Milliarden Dollar angewiesen. Der Rest der Summe müsse mittelfristig fließen.

Der Irak war 2014 nach Jahrzehnten von Sanktionen und Krieg von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) überrannt worden. Durch die jahrelangen Kämpfe wurden die Industrie und die Infrastruktur des Landes stark in Mitleidenschaft gezogen. In der Großstadt Mossul wurden ganze Wohnviertel in Schutt und Asche gelegt. Im Dezember verkündete die Regierung schließlich den Sieg über den IS.



Bislang sei erst ein Prozent der nötigen Arbeiten im Irak abgeschlossen, sagte der Chef des nationalen Wiederaufbaufonds, Mustafa al-Hiti. 138 000 Häuser seien beschädigt worden, über die Hälfte von ihnen sei komplett zerstört. Mehr als 2,5 Millionen Menschen warteten nach ihrer Flucht vor der IS-Miliz weiterhin auf eine Rückkehr in ihre
Heimat.

Am ersten Tag der internationalen Geberkonferenz in Kuwait sagten Hilfsorganisationen dem Irak insgesamt 330 Millionen Dollar für humanitäre Projekte zu. Am heutigen zweiten Tag will Bagdad bei den in Kuwait-Stadt versammelten Unternehmen um Investitionen werben. Am dritten Tag wird dann mit den Finanzzusagen der Geberländer gerechnet.

Weltbank-Vertreter Raja Rehan Arshad sagte, alleine im Wohnsektor würden mehr als 17 Milliarden Dollar benötigt. Weitere 30 Milliarden Dollar müssten in den Wiederaufbau der Energieversorgung und der Industrie fließen.

Der Irak stehe vor enormen Herausforderungen bei der Wiederansiedlung von Vertriebenen, erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Bei der Konferenz müsse ausreichend Geld eingesammelt werden, um ihnen eine sichere Rückkehr zu ermöglichen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef und das UN-Siedlungsprogramm Habitat riefen zudem zu Investitionen im Bildungssektor auf.